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zählen. Vielfache Verwechslung ist wohl mit apoplectischen Gysten geschehen, wie
dies auch schon von Schüppel hervorgehoben ist. Dass der Unterschied in
einzelnen Fällen schwer zu finden ist, liegt auf der Hand, um so mehr, da nicht ge
leugnet werden kann, dass bei vorheriger Erweiterung des Centralcanals durch seröse
Flüssigkeit dieselbe sich nachträglich durch Hämorrhagien in eine Blutcyste verwan
deln kann, wo dann die Feststellung der vorhergegangenen Hydromyelie geradezu
unmöglich wird. Ferner auch ist die Möglichkeit einer Erweiterung des Centralcanals
durch ein von vorne herein blutiges Serum nicht von der Hand zu weisen, wo dann
durch secundaire Atrophie, Entzündung und Erweichung der umlagernden grauen
Substanz die Existenz einer Hämorrhagischen Cyste vorgetäuscht werden kann. Dieses
nun erschwert das Studium dieser Krankheit nicht wenig. Diejenigen bekannt ge
wordenen Fälle nun, wo einfache Hydromyelie ohne Spina bifida — wie eben der
unserige — bestand, sind folgende:
Der von Gail im Jahre 1862 beobachtete und ausführlich beschriebene Fall *)
Derselbe betraf einen 44jährigen Mann, der an Erscheinungen der progressiven
Muskelatrophie, besonders der Hände längere Zeit laborirte; wo sich dann bei der
Obduction eine grosse Höhle lm Rückenmarck vorfand. Dieselbe begann in der Höhe
des 5ten Cervikalnerven, von wo sie sich spindelförmig in die Gegend des 3ten Brust
nerven erstreckte. Dieselbe nahm fast die ganze graue Substanz ein. Der zweite
sehr ausführlich und genau beschriebene Fall ist der von Oscar Schüppel im
Jahre 1865. 2 ) Derselbe bot mit dem vorigen eine grosse Aehnlichkeit dar. Auch
hier waren bei dem betreffenden Individuum während des Lebens die Symptome der
progressiven Muskelatrophie eingetreten. Auch nahm die ungefähr gleich grosse Höhle
den unteren Theil der Halsanschwellung ein. Ausserdem berichtet Professor Len-
hosek in Pest in seinem Beitrag zur pathologischen Anatomie des Rückemnarcks
(Oesterreische Zeitschrift für practische Heilkunde V. Jahrgang 1859 ausserordentliche
Beilage Pag. 53) nur sehr kurz' von mehreren Fällen, die kein weiteres Interesse dar
bieten, abgesehen davon, dass in zwei Fällen Hydrops der Gehirnventrikel bestand.
Sie betrafen ein Kind und ein löjähriges Mädchen. Der erweiterte Centralcanal er
streckte sich in beiden Fällen von der Rautengrube bis in die Nackengegend. Beson
ders aufmerksam macht derselbe auf den hier und da vorkommenden Befund von
bräunlichen Körnern im Centralcanal bei bestehendem Hydrops ventriculorum acutus
der Kinder. Zweifelhaft zum mindesten sind die Fälle von Morgagie, mehrere von
Portal, M. Rullier, Hutin, Andral, M ai ss on n e u ve, Landau, und Nonat;
da bei allen diesen der Verdacht einer Verwechslung mit einer apopleptisehen Cyste
unabweisbar ist, in mehreren ist diese Verwechslung mehr als wahrscheinlich. Es
') Guys H g pital Reports III. Series. Vol. VIII. Pag. 244.
a ) Archiv für Heilkunde. 6ter Jahrgang 1865. Pag. 389.

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