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Bei einer Gleichheit der Temperatur würde man sich ebenfalls kaum einen Fortgang in der Er
warmung denken können, es sei denn eine äusserst langsame durch die noch schwachen Respirations-
bewegütigen. Da aber jedes Sinken, ja vielleicht auch das Verweilen der Temperatur auf derselben
Höhe den Organismus bedroheu kann, so ist es nöthig, den Erstarrten sofort in ein wärmeres
Medium zu bringen. Walther, 17 ) der zuerst diese Ansicht ausgesprochen hat, fordert, dass dieses
Medium normale Körperwärme, also 37—38" C. haben müsse. Für seine Ansicht spricht allerdings
der Erfolg, den er mit Thiefen erzielte. Allein bei hochgradigen Erstarrungszuständen wird man
sich wohl kaum hierzu entschlossen, da man die bei jeder schnellen Erwärmung der erstarrten
Körperöberfläche auftretende Gcfässparalyse befürchten muss, wodurch ein übermässiger Andrang
des Blutes zur äussern Haut mit seinen unangenehmen Folgen hervorgerufen werden könnte.
. In den oben angeführten Fällen wurden Bäder von 38 8 gegeben. Wenn der erste Fall
ungünstig verlief, so darf dieses wohl nicht der Behandlung zugeschrieben werden; im Gcgentheile,
die Hirnerscheinungen zeigten eine wesentliche Besserung bei der Behandlung. Die Sektion wiess
aber eine solche Verdichtung der Lungen durch Oedem, verbunden mit Pneumonie und Pleuritis
nach, dass man wohl hierin die Todesursache finden muss. Auf die unangenehme Wirkung der
Lungencongestionen bei erstarrten Thieren macht auch Walther 18 ) aufmerksam, der seine Kaninchen
oft dadurch wieder verlor, nachdem er sic zur normalen Wärme zurückgebracht hatte. Der zweite
Fall kann wohl kaum in Erwägung kommen wegen der an sich tödtlichen Verletzungen. Der dritte
Pall dagegen verlief durchaus günstig, es wurden keine unangenehmen Erscheinungen, wie Kopf
schmerzen, welche sonst vorzukommen pflegen, beobachtet. Man würde daraus vielleicht schliesson
dürfen, dass ein Bad, 8—10° wärmer als die Körpertemperatur des Erstarrten, ohne Nachtheil vou
demselben ertragen wird.
Nur eine Abnormität zeigte sich im Laufe der Temperatursteigerung, nachdem nämlich die
Norm erreicht war, wurde diese überschritten, und die Temperatur hielt sich ungefähr 94 Stunden
über derselben. Dieselbe Erscheinung beobachtete auch Walther 1 '-’) bei seinen Kaninchen, deren
Temperatur nach vorheriger Abkühlung bis zu 42° C. stieg. Auch nach geringeren Graden der
Temperaturherabsetzung, wie sie durch ein kaltes Bad statthaben, beobachtete Jürgensen*") stets
eine Steigerung über die normale Höhe, nachdem die abkühlende Wirkung aufgehört hatte. Diese
vermehrte Wärmeproductiou begann in dem vorliegenden Falle wahrscheinlich schon einige Stunden
nach der Aufnahme, wo das Thermometer innerhalb einer Stunde einen Zuwachs von einem Grad
nachweist. Es ist dieses eine so rasche Temperaturerhöhung, wie sie durch die normal erzeugte
Körperwärme kaum hervorgebracht werden kann, da sonst zu wenig für die Ausgabe durch die
Respiration und die Körperoberfläche restiren würde. Dass die Temperatur nachher nicht in dem
selben Verhältniss stieg, erklärt sich leicht durch die jetzt schon aufgetretenen Schweisse, welche
eine vermehrte Wärmeabgabe bedingen mussten. Worin diese vermehrte Wärmeproductiou ihren
Grund hat, lässt sich bis jetzt kaum nachweisen.
Endlich möchte ich an die Einleitung künstlicher Respiration erinnern, deren günstige
*') Kciehert’s Archiv. 1865. p. 51.
») Virchow’s Archiv. 1862.
,U 1 Virchow's Archiv. 1S62.
20 ) Deutsches Archiv für klin. Medicin. Bd. •(. s. ;564.

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