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so lässt eine solche postmortal eintretende Hyperämie des Gehirns kaum eine Deutung zu, man
müsste denn annehmen, dass bei der Erwärmung der Thiere noch Herzbewegung vorhanden gewesen
sei. Jedenfalls würde diese Beobachtung, wenn sie sich bestätigte, im Stande sein, die verschiedenen
Ansichten, welche über diesen Punkt herrschen, zu vereinigen.
Was die Behandlung in den drei obigen Fällen betrifft, so läuft dieselbe den Vorschriften
zuwider, welche gewöhnlich für Erstarrungszustände gegeben werden. Man fordert, dass Erstarrte
zunächst in ein kaltes Zimmer gebracht und durch Reibung der Körperoberfläche mit feuchten Tüchern
allmählig erwärmt werden, erst nachdem dieses geschehen, darf man nach und nach zu einer wärmeren
Temperatur übergehen.
Gegen diese Behandlung lassen sich folgende Argumente anführen. Würde mau einen
Menschen, dessen innere Temperatnr unter + 20u C nachweist (man darf' wohl annehmen, dass der
menschliche Organismus eine bedeutend tiefere Temperatur kaum zu ertragen im Stande ist) würde
man also einen solchen Menschen, bei dem die Respiration fast sistirt, die Herzbewegungen nur
spärlich sind, in ein kaltes Zimmer bringen, das heisst in eine Temperatur, welche voraussichtlich
zu einer Zeit, wo solche Erfrierungen Vorkommen, nicht über 0° erwärmt sein würde, so müsste
derselbe offenbar immer noch Wärme abgeben, nnd da wegen der fast gänzlichen Sistirung der
Respiration sehr wenig Wärme im Körper producirt wird, müsste derselbe kälter werden. Auf
welche Weise aber die Frottirungen mit nassen Tüchern die Körpertemperatur erhöhen sollen, und das
muss doch der Zweck der Behandlung sein, ist kaum einzusehen, da man doch nicht annehmen
darf', dass dadurch vermehrte Respirations- und Herzbewegungen ausgelöst worden. Ebensowenig
wird man behaupten, wollen, dass die Reibung direkt im Stande ist die Körperwärme auch nur um
einen Grad zu erhöhen.
Man möchte sogar geltend machen, dass die Reibungen, besonders wenn sie mit Durch
leuchtung der Haut verbunden sind, gradezu uachtheilig wirken. Einestheils wird das Blut, indem
es durch das noch kältere Unterhautbindegewebe zur Körperoberfläche geführt wird, Wärme abgeben-
Und als Beleg, dass diese Wärmeabgabe nicht gering anzuschlagen ist, führe ich aus den oben
erwähnten Untersuchungen von Jürgensen' 6 ) 2 Beispiele an: In dem einen Fall wurde die Körper
temperatur des Versuchsobject in einer Stunde um 1° herabgesetzt nach einem Bade von 30" 0.
In dem andern Fall verlor derselbe Mensch nach einem Bade von 10° C., welches 25 Minuten
gedauert hatte 2, 5° in 15 Minuten. In beiden Fällen diente die abgegebene Wärme offenbar zur
Erwärmung des durch das Bad hauptsächlich abgekühlten Unterhautbindegewebe. Einen anderen
I heil seiner Wärme würde das Blut an die kältere Luft abgeben dureb die Hautgefässe, auf deren
Bedeutung für die Wärmeabgabe schon früher aufmerksam gemacht wurde. Dazu käme noch die
Durchfeuchtung der Haut, welche nach Fick 1 ®) den Wärmeverlust wesentlich begünstigt. Die vorher
kalte Körperoberfläche wird freilich durch die Reibungen wärmer werden, und wenn Messungen mit dem
rhermometer fehlen, leicht zu der Meinung Veranlassung geben, als ob die Körpertemperatur erhöht
wäre, während diese in Wirklichkeit noch mehr herabgesetzt wird.
Das Angeführte wird natürlich immer gelten, so lange die Temperatur der Umgebung
geringer ist als die Körpertemperatur, also auch wenn die angenommene Grenze tiefer läge als + 20".
11 ) Deutsches Archiv für klinische Meclicin, Bd. 4.
16 ) JVledioinischc Phvsik $ 11C.

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