die Untersuchungen von Jiirgensen IO ) über den Einguss von Bädern auf die Körperwärme des
gesunden Menschen bestätigen diese Behauptung vollständig.
Die Uebcrfüllung der Hautgefässe und die damit verbundene grössere Wärme der äusseren
Haut wird wohl zu der Meinung Veranlassung gegeben haben, als ob der Alkohol die Temperatur
erhöhe, weil das subjective Wärmegefühl dadurch meistens erhöht wird, und weil Messungen welche
unter diesen Umständen in der Achselhöhle vorgenommen werden, noch leichter als sonst über die
■wahre Körpertemperatur täuschen können.
In dem ersten und letzten der obigen Fälle wird man daher wohl annehmen dürfen, da
die hohe Temperatur der Luft die beobachtete Wärmeentziehung kaum erklärlich macht, dass der
reichliche Genuss von Spirituosen diesen Zustand vermittelt hat. Dafür spricht auch bei dem
Letzteren der Umstand, dass Spuren von Erbrochenem im Bart gefunden wurden.
Man findet gewöhnlich die Angabe, dass der Seetionsbefund Erfrorener Hyperämie des
Hirns nachweise, und dass darauf die Symptome, welche Erfrierende bieten, zurückzuführen seien.
Im Gegensatz dazu finde ich in den obigen Fällen, welche zur Section kommen, dieses durchaus
nicht bestätigt, vielmehr wird ausdrücklich angegeben, dass das Gehirn nicht hyperäiseb gewesen
sei, wie man es wahrscheinlich zu finden erwartete. Und doch waren die Lähmungserscheinungen
der Art, dass wenn man dieselbe überhaupt auf Hyperämie des Hirns zurückführen will, diese iu
ausgesprochener Weise bei der Sektion sich hätte zeigen müssen. Vielleicht Hesse die am ersten
Fall Vorgefundene grössere Menge von seröser Flüssigkeit auf eine vorangegangeue Hirnanämie
schliessen. Die Depressionserscheinungen werden auch dadurch ihre Erklärung finden. Es würde
dieses die Beobachtungen von Walther' 1 ) bestätigen, welcher bei der Sektion seiner erfrorenen
Kaninchen stets Hirnamämie fand, und bei weissen Kaninchen auch den Augenblick beobachten
konnte, wo diese Amämic dem Organismus gefährlich wurde. Wenn bei denselben der Augeu-
hiutergrund blass wurde, trat ein allgemeiner Krampfzustand ein, welcher dem Leben ein Ende
machte. Schon früher wurde die Bemerkung von Martini 14 ) gemacht, dass bei frisch getödteten
Thieren nach Kälteeinwirkung immer Himanämie stattfinde. Wenn dagegen Krajewski 13 ) bei
künstlich erkalteten Thieren stets das Gehirn stark mit Blut gefüllt, die Hirnhäute sehr iujicirt
fand, so lässt sich dagegen anführen, dass seine Versuche nicht genau waren, da er seine Versuchs-
thicre in abkühlcnde f lüssigkeiten tauchte. Er war also kaum im Stande eine gloichmässige
Abkühlung des ganzen Körpers hervorzurufen, da er den Kopf nicht ganz untertauchen konnte;
schon dadurch ist die stattgehabte Hyperämie des Hirns leicht erklärlich.
Die bei Erfrierenden beobachteten Symptome der Depression; die lallende, schwere Sprache,
das Schwächerwerden der Respirations- und Herzbewegungen, die Erweiterung der Pupillen, sowie
auch die Somnolenz würden in der Himanämie eine Erklärung finden.
Martini giebt an der oben erwähnten Stelle ebenfalls an, dass er bei erfrorenen und wieder
erwärmten Thieren Hyperämie des Gehirns gefunden habe. Wenn cs auch erklärlich ist, dass
aufthauende Leichen bläulich werden, weil das aufgethauto Blut durch die Gefässhäute dringt, ,4 )
01 ) Deutsches Archiv für klin. Medicin, Bd. 4.
<') Reichert’s Archiv 1865, p. 49.
IJ ) Deutsche Klinik 1852.
n ) Schmidts Jahrbücher, Bd. llo.
lt ) Pitha und Billroth Handbuch der allgemeinen und speciellen Chirurgie.

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