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Walther 4 ) berichtet über einen Versuch, den er mit 2 Kaninchen anstellte. Beide setzte
ei zu gleicher Zeit in einen Abkühlungsapparat, nachdem er dem einen Kaninchen 35 Cc. Brannt
wein in den Magen gespritzt hatte. Er erreichte dadurch, dass das betrunkene Kaninchen nach
2/r Stunden von 36,7« bis zu 19,8» C. abgekühlt war, während das andere Kaninchen bei
gleicher Dauer der Wärmenentziehung nur 3,2« verlor. Diese durch das Experiment bestätigte
1 hatsache ist allerdings schon lange bekannt, denn die Listen der Erfronen weisen stets eine
grosse Anzahl Betrunkener auf; allein vielfach herrscht die irrthümmliche Ansicht, dass nur excessive
Grade von Trunkenheit, nachdem das Bewusstsein geschwunden und die Herrschaft über die Be-
wegungen aufgehört hat, diesen Zustand herbeiführen können. W ährend sowohl der oben angeführte
Versuch, so wie auch andere Beobachtungen nachgewiesen haben, dass der Alkohol selbst die Tem
peratur herabgesetzt. Walther bemerkte nämlich, dass sein Kaninchen nach der Injection von
Branntwein sofort Wärme verlor, schon bevor er die künstliche Wärmeentziehung vomahm. Die
selbe Beobachtung machten Ringer und Richards, 5 * * ) welche durch grosse Dosen Alkohol die Tem
peratur eines Menschen um l,66o, die eines Kaninchen Um 8,3o herabsetzten, und zwar erfolgte diese
Temperaturahnahme, nach ihrer Meinung, ebenso rasch wie an dem eben gestorbenen Körper. Unter
der Voraussetzung, das Alkohol die Temperatur herabsetze, behandeln die Engländer fieberhafte
Krankheiten mit kleinen Dosen Alkohol; eine Behandlungsweise, welche auch anderswo Anklang
gefunden hat, denn aus Frankreich berichtet Gingeot, «) dass er bei Kinderkrankheiten mit günstigem
Erfolg Alkohol in Anwendung bringe, und dass er dadurch stets eine Herabsetzung der Temperatur
beobachtet habe.
Mach dem Untersuchungen von Sulzynski ') wirkt der Alkohol herabsetyend auf den Stoff
wechsel, indem er den Verbrennungsprocess der Blutkörperchen stört. Andrerseits fand Tscheshichirt 8 ),
dass der Alkohol eine ähnliche Wirkung habe wie die Durchschneidung dos Rückenmarks, nämlich
ein Sinken der im Mastdarm gemessenen Temperatur wegen erhöhter Wärmeabgabe von derKörper-
oberfiäche. Diese kommt in beiden Fällen zu Stande durch Lähmung der vasomotorischen Nerven,
und dadurch hervorgerufene Ueberfüllung der Hautgefasse. Der letztere Einfluss, welcher bei der
Wärmeverminderung die bedeutendste Rolle zu spielen scheint, wird sich hauptsächlich nur geltend
machen, wenn die Temperatur der Umgebung abgekühlt ist. Denn während die Hautgcfässe sonst
in der Kälte sich contrahiren und so die Wärmeabgabe nach der jedesmaligen umgebenden Tem-
peratui reguliren, wird bei der Einwirkung von Alkohol dieser Regulator seine Kraft verlieren, die
Wärmeabgabe wird entsprechend der Kälte der Luft wachsen; im Organismus selbst dagegen sind
die Bedingungen für Wärmebildung ungünstiger. Das Resultat dieser beiden Fakiren wird eine
bedeutende Temperaturherabsetzung des Körpers sein.
Auf die grosse Bedeutung der Hautgefasse für die Wärmeregulirung macht Fick 9 ) auf
merksam mit den Worten: Die Veränderlichkeit der Weite dieser Arterien (der Haut) ist offenbar
das wichtigste Hiilfsmittel der Natur, die Temperatur des Säugethierkörpers zu reguliren.“ Und
4 ) Reichert’s Archiv 1865, p. 47.
*) Zeitschrift für rationelle Medicin, Bd. 30.
•) Canstatt’s Jahresbericht 1867.
’) Canstatt’s Jahresbericht 1867.
*) Zeitschrift für rationelle Medicin, Bd. 30.
’) Med. Physik, §. 204.

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