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auf dem Altonaer Krankenhause von Herrn Hr. Jessen, scheinen dafür zu sprechen; es dürfte des
halb die Mittheilung derselben, welche von dem Herrn Dr. Kästner, dem Oberarzt der medicinischen
Abtheilung, gütigst erlaubt wurde, nicht ohne einiges Interesse sein.
Bei dieser Gelegenheit spreche ich zugleich meinem Freunde, dem Herrn Dr. Jessen,
meinen Dank aus für die genaue und sorgfältige Mittheilung der Krankengeschichten.
'S I. Fall.
Boch, ein 46jähriger Arbeiter, wurde am 31. Oktober Nachmittags 3£ Uhr aufgcnomnieu,
nachdem er bewusstlos in einem Neubau anfgefunden, in höchst verwahrlostem Zustande, nur von
Lumpen bekleidet und derartig von Ungeziefer bedeckt, dass selbst in dem schon aus diesem Grunde
durchaus nothwendigen heissen Seifenbade eine vollkommene Reinigung des Kranken nicht gelang.
Derselbe war nicht zu erwecken, die Pupillen waren sehr weit und ohne Reaction; jedoch schienen
die nothwendigen Manipulationen das Unbehagen des Kranken zu erwecken, wenigstens sträubte er
sich gegen dieselben. Zu Bett gebracht, fiel er sofort in tiefen Schlaf. Abends 8 Uhr wurde, da
der Kranke sich noch immer sehr kühl anfühlte, von mir selbst die Messung seiner Körpertempe
ratur vorgenommen. Dieselbe ergab 28,4o C. im Rectum. Der Kranke fing an etwas besinnlicher
zu werden, antwortete verständlich und verlangte zu trinken; sank dann aber sofort wieder in tiefen
Schlaf. Nachts 12 Uhr betrug die Temperatur 29,8", früh Morgens 4 Uhr 31,Oo. Die ganze Nacht
hindurch schlief der Patient fest und ruhig. Am folgenden Morgen betrug die Temperatur 32,6";
der Kranke wurde mehr besinnlich, nannte seinen Namen, trank begierig Wein, ass Mittags eine
geringe Menge Suppe. Inzwischen schlief er jedoch beständig und reagirten die. noch massig
erweiterten Pupillen immer noch nicht. Leider wurde es versäumt, noch weitere Temperatur-
messungen anzustellen. Nachmittags 5 Uhr starb Patient ohne besonders auffallende vorhergehende
Erscheinungen.
Die am 3. November vorgenommene Section ergiebt: Eine ungewöhnlich reichliche Menge
seröser Flüssigkeit fliesst nach Eröffnung des Schädels ab. Hirnhäute etwas ödematös. Himhöhlen
etwas erweitert durch seröse Flüssigkeit. Hirn selbst nicht blyperämisch zu nennen. Graue Rinden
substanz dünn. Beide Pleurasäcke enthalten massig viel serös blutige Flüssigkeit, rechts einige
alte plouritische Verwachsungen neben frischen pleuritischcn Auflagerungen, besonders auf beiden
untern Lungenlappen. Im rechten untern und mittleren Lungenlappen eine croupöse Pneumonie.
Die übrigen Lungentheile rechts stark emphysematos und ödematös. Linke Lunge oben stark
emphysematos, im untern Lappen hyperämische Verdichtungen, fast gänzlich luftleer. Die Milz gross
uud sehr matsch. Die lieber gross, blutreich und fettig degenerirt. Die Nieren hyporämisch,
Blase massig voll, Urin ohne Eiwciss.
II. Fall.
Warncke, ein (BOjfthriger, sehr verkommen aussehender Mensch, wurde am 25. Januar
Nachmittags 7 Uhr aufgenommen in völlig bewusstlosem Zustande, mit röchelndem Athem, nicht
fühlbarem Pulse und einer auffallenden Kälte der Körperoberfläche. Jede Anamnese fehlte. Der
Krank.' war sehr ynruhig und wälzte sich im Bett hin und her. Die sofort von mir vorgenommene
Messung der Körpertemperatur ergab 26,6" C. im Rectum. In der linken Schläfengegend fand si< .\
eine kleine Sugijlation, welche sich bis zum oberen Augenlid erstreckte. Nach etwa Inständigem

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