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zu trinken war ihnen nicht gestattet. Klagten dieselben alsdann über quälenden
Durst, so verordnete inan Wasserklystiere, die nach Bedürfhiss 3 bis 4 mal täglich
appiicirt wurden, jedes Klystier von etwa 200 cc. Wasser. Die meisten behielten das
Wasser bei sich und resorbirten es ganz gut. Auf diese Weise wusste man dem
Durste zu begegnen. Sobald sich Stuhlverstopfung einstellte, wurde Karlsbader Salz
gegeben 5 1 gehäufter Löffel voll in ein Bierglas heissen Wassers aufgelöst, Morgens
nüchtern so warm als möglich zu trinken.
Man hat von Juli 1867 bis jetzt, wie ich aus dem Hauptbuche der Kieler
Klinik gesehen, 20 Personen, welche an Gastrectasie litten, ins Spital aufgenommen
und nach dieser Methode behandelt. Da alle der ärmeren Klasse angehörten, gingen
einige fort, bevor eine wesentliche Besserung erzielt war. Nach den Kranken
geschichten und Notizen, welche mir Vorlagen, sowie nach den mündlichefi Mitthei-
lungen, welche mir der jetzige Assistenzarzt des Hospitals Dr. Auerbach gemacht
i* a t, haben alle Kranke schliesslich, nachdem dieselben den wohlthätigen Effect des
Kuspumpens gespürt, diesen doch gewiss unangenehmen Act gerne ertragen. Die
leisten verliessen wesentlich gebessert das Krankenhaus.
Man pumpte aus sowie sich eine gewisse Menge Flüssigkeit angesammelt hatte.
ln Allerneuester Zeit pumpt man jetzt jeden Morgen nüchtern den Magen aus, indem
uian vorher eine Flasche Selterwasser trinken lässt; man bringt alsdann durch Sue-
c ussion von aussen her, das Wasser überall mit der Schleimhaut in Berührung und
mitleert auf diese Weise eine Menge Schleim. Man hofft eine Ansammlung der Flüs
sigkeit dadurch zu verhindern und die Gastrectasie noch schneller zu heilen. Zum
Schluss sei es mir noch erlaubt, einen Krankheitsverlaut, wie er hier zu Anfang dieses
Jahres in der Klinik beobachtet, etwas genauer mitzutheilen :
Der Patient R. K., 41 J. alt, war vom 25 Februar bis zum 15. April 1869 im
hospital.
Er litt seit 14 Jahren an Magenbeschwerden, die Anfangs mit wechselnder
Heftigkeit auftreten, seit einem Jahre jedoch bedeutend zugenommen hatten und von
oiner auffallenden Abmagerung des Kranken begleitet waren. Zu klagen hatte er
Uainentlich über ein lästiges Gefühl von Spannung im Epigastrium, das oft Tage lang
mihielt und nach jeder Mahlzeit heftiger wurde, über saures Aufstossen und häufiges
Erbrechen, über fast beständigen quälenden Durst und über trägen Stuhlgang.
Pat. ist ein hochgewachsener, aber stark abgemagerter Mann; er ist hinfällig
u üd leicht erschöpft; die Klagen die er vorbringt sind dieselben, wie früher. Das Ab
domen scheint im Ganzen abgeflacht, die Bauchdecken sind schlaff, nur die Gegend
ünterhalb des Rippenbogens bis etwas unterhalb des Nabels ist flach rundlich vorge
geben. Der Percussionsschall über diesem Gebiet ist tief tympanitisch, in der Ge
gend des Nabels gedämpft; bei der Succussion hört man lautes Plätschern, colossale
Gastrectasie.

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