durch die Flüssigkeitsentziehung herbeigeführt werden muss, an. Man ling an in
geeigneten Fällen die Schrotsche Heilmethode auch in der Klinik anzuwenden und
zwar mit Erfolg.
Einen Umschwung nahm die Art und Weise der Behandlung jedoch erst, als
Professor Kussmaul aus Freiburg 1867 in der Naturforscherversammlung zu Frank
furt über seine höchst günstigen Resultate, welche er mit der Magenpumpe erzielt
hatte, referirte und dadurch zur Nachahmnug reizte. Man hat seit der Zeit auf der
hiesigen Klinik dieses Verfahren als hauptsächlichste Therapie gegen die Magenerweite
rung eingeschlage® und seitdem diese Erkrankung viel besser bekämpft.
Man ging dabei von folgenden Wahrnehmungen aus:
Wenn man das aus einem ausgedehnten Magen Erbrochene oder Ausgepumpte
etwas genauer untersuchte, so fand man, das dies ein schmutzig, gelbbraun gefärbter,
sehr getrübter, theils mit zähen schleimigen, theils noch festen Substanzen gemischter
Brei war. Diese Flüssigkeit war von stark saurer Reaction, wegen der stets beige
mischten Essig-, Milch- und Buttersäure. Eben diese Säuren sind es auch, welche
gasförmig in den Oesophagus dringen und bei den Kranken zu dem lästigen Sodbren
nen und Aufstossen Veranlassung geben. Die festen Substanzen sind theils verdaute,
theils unverdaut gebliebene von dem Patienten aufgenommene Nahrung. Ausserdem
enthält ein solcher Magen in grosser Masse, Sarcine, jener eigcnthümlich würfelförmig
geformte Magen pilz.
Wenn diese übelriechende, gährende Masse sich nun längere Zeit in einem
gastrektatisch erkrankten Magen befindet, so wird natürlich ein bedeutender Druck
und zugleich ein chemischer Reiz auf die Schleimhaut des Magens, die in Folge dessen
krankhaft verändert wird, ausgeübt. Die Absonderung des Magensaftes wird gestört
und die Resorption des Mageninhalts dadurch gehemmt.
Wird nun eine solche Flüssigkeit künstlich aus dem Magen entfernt so hört
dieselbe auf die katarrhalisch entzündeten Magenhäute zu belasten und zu reizen und
man wird also nur durch Entleerung des Magens wirklich heilsam verfahren können-
Man erspart 2., dem Kranken das lästige Erbrechen und das üble Gefühl des Voll-
seins und des Druckes in der Magengend und 3, entleert man einen solchen Magen,
wie ich glaube, noch immer vollständiger, als es der Brechact vermag.
Um diese Behandlung hier einzuschlagen, bediente man sich einer gewöhnlichen
Luftpumpe und entfernte so viel wie möglich aus dem Magen, Hess darauf die Kran
ken eine Flasche Vichy oder Selterwasser trinken und pumpte* noch einmal aus,
dies letztere sollte, wenn ich deu Ausdruck brauchen darf, aus- und nachspülend wir
ken. Gleichzeitig wandte man eine genau bestimmte Diät an. Die Patienten durften
nur kalten Braten, rohes gehacktes oder geschabtes und geräuchertes Fleisch gemessen,
dazu einige Semmel und täglich eine halbe Flasche Wein. Dies letztere war die
einzige Flüssigkeit, welche die Kranken zu sich nahmen; etwas anderes oder mehr

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