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Kieler Klinik aus dein Jahre 1853 und diesen letzteren werde ich, soweit derselbe
uns hier angeht, kurz mittheilen.
Der 29jährige J. T. war wegen Tuberculosis, pulm, Pneumothorax und Gast*
rectasie in ärztlicher Behandlung gewesen; wobei vielleicht noch zu bemerken, dass
Pat. ziemlich regelmässig jeden 3. Tag, dann aber wenigstens einen ganzen Nachttopf
voll erbrochen hat. Die Leiche war im hohen Grade abgemagert. Die Untersuchung
der Lungen übergehe ich natürlich. Der Oesphagus war bis eine Hand breit oberhalb
der Cardia von Flüssigkeit ausgedehnt und daher so dick, wie ein Dünndarm. Als
beim Durchschneiden des oesophagus eine grünliche Flüssigkeit im dicken Strom her
ausstürzte, wurde desshalb das Magenende unterbunden.
Nach Entfernung der vordem Bauchwand füllte die ganze Fläche vom Zwerch
fell bis sur Symphyse und von einer Seite zur andern der von Flüssigkeit und Gas
ausgedehnte Magen aus. Nur in den Ausschnitt der kleinen Curvatur unterhalb des
Schwerdtfortsatzes ragte der rechte Leberlappen hinein. Vom Darm sah man gar
nichts. Die kleine, blasse, derbe und anämische Milz lag ganz nach hinten gedrängt-
nahe an der Wirbelsäule.
Die am Magen angestellten Messungen ergaben von der Cardia bis zum pylorus
längs der grossen Curvatur 94 Cru., längst der kleinen 31 Cm. Der Pylorus lag an
seiner normalen Stelle, fühlte sich dünn und schlaff an. Nach Herausnahme des
Magens wurde aus demselben noch eine grosse Menge einer wenig eonsistenten, schmutzig
grünen Flüssigkeit entleert, dass eine grosse Waschkumme dieselbe nicht zu fassen
vermochte. Nach völliger Entleerung des Magens und nach vorgängiger Unterbindung
des Pylorus wurden in denselben bis zur Spannung seiner Häute 210 Unzen Wasser
gefüllt. Aufgeschnitten zeigte sich eine enorme Verdickung sämmtlicher Haute des
Magens. Die Schleimhaut war mit einer dicken Schicht zähen Schleimes überzogen
Und unter dieser ausserordentlich geschwulstet, wie mit zahllosen Warzen dicht besetzt,
welche am beträchtlichsten entwickelt in der Nähe des Pförtners. Die Schleimhaut
war durchgehends blass nnd anämisch und nur im Blindsack an einer beinahe hand
grossen Stelle schiefergrau gefärbt. Zwei Zoll oberhalb des Pylorus an der kleinen
Curvatur fand sich eine zolllange, quergestellte, strahlige Narbe auf der Scheimhaut,
weiss wie Sehnengewebe. Eine ebenso beschaffene Narbe unterbrach die Schleimhaut
ausbreitung grade am Pylorus und im obersten Theil des Zwölffingerdarms; dieselbe
hatte das Lumen des Pylorus auf 3 Cm. Umfang verengt und umgab den ganzen
Canal an dieser Stelle in einer Breite von mehreren Linien, ln der nächsten Um
gebung derselben war die Muskelhaut indess keineswegs verdickt, daher sich auch
der Pylorus dünner und schlaffer anfühlte als gewöhnlich. An der kleinen Curvatur
fanden sich noch 3 erbsengrosse, runde, bis auf die Muskelhaut dringende Substanz-
Verluste in der Schleimhaut, mit scharfen Rändern, ohne eine Spur von Entzündungs-
röthe in ihrer Umgebung, beginnende ulcera chronica simplicia. Die eigenthümliehe

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