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J. N. ein schmächtiger junger Mann von 15 Jahren wurde wegen eines fieberhaften Zustandes,
Dyspnoe und Husten, in's hiesige Hospital aufgenommen. Die Untersuchung der Brustorgane gab
folgendes Resultat: Wohlgebauter Thorax. Ueber der rechten Lunge überall normaler Percussions
schall, ebenso links vom sternum bis gegen die Brustwarze und zum Rande der Pectoralis major.
Hier beginnt eine Dämpfung des Percussionsschalles schon an der 4. Rippe, welche sich bis zur
Wirbelsäule hinerstreckt. Reehts vesiculares Athmungsgeräusch. Links oberhalb der 4. Rippe und
zwischen sternum und Brustwarze gleichfalls, im 4. Interco stalraum hinter dem Rand des pect,
maj., also in der Achselhöhle, fühlt man bei jeder Diastole das Zusammenklappen der Semilunar
klappen der art pulmonalis. Der Herzstoss war nirgends sichtbar.
Die hochgradigste Verdrängung des Mittelfells wird aber ohne Zweifel durch die angeborne
Atelectase hervorgerufen, wie die beiden von den Herren Dr. Ratjen (Virchows Archiv Bd. 38) und
Dr. Jessen (Dissertatior vom Jahre 1869) zur Genüge beweisen. Es sei mir vergönnt dieselben
nochmals hier anzuführen, da sie das von mir gewählte Thema besonders schön illustriren.
Der von Herrn Dr. Jessen beschriebene Pall von angeborener Atelectase betrifft eh'
28j übriges Mädchen, mit hochgradigem einseitigen Lungenemphysem, welches im Altonaer Kranken
hause dem Typhus erlag. Bei der Section fand sich die linke vollständig atelectatische Lunge als
ein fester, flachlänglicher circa 27* " langer und entsprechend breiter Körper, dicht der linken
Seite der AVirbelsäule und der hintern Thoraxwand anliegend. Der linke Pleurasack war mit Aus
nahme der collabirten Lunge vollkommen leer und die linke Fläche des Mediastinum lag mit ihrem
Pleuraüberzug unmittelbar der linken pleura costalis an, ohne die geringste Verwachsung zu zeigen.
Der schon an sich durch das Einsinken der linken Thoraxhöhle verkleinerte Raum der linken
Pleurahöhle wurde ausgefüllt, theils von dem mit dem Mediastinum nach links verschobenen gesunden
Herzen, theils und zwar vom von der colossal emphysematisch ausgedehnten rechten Lunge. Bei
der Eröffnung der Thorax war nur die rechte Lunge sichtbar. Ausserdem stand die linke Hälfte
des Zwergfells unverhältnissmässig hoch und trug somit ihrerseits zur Ausfüllung des sonst von der
linken Lunge ('ingenommenen Raumes bei.
Nicht minder hochgradig war die Verschiebung des Mediastinum in Folge von Atelectase
in dem von Herrn Dr. Ratjen mitgetheilten Fall, von dem ich hier nur die bezügliche Stelle anführe.
Bei der Eröffnung der Thorax des 49jährigen kräftigen Mannes zeigte sich, dass die rechte Lunge
in ihrem Pleurasack, weit in die linke Thoraxhälfte hineinragte; das Mediastinum war weit nach
links verdrängt, die äussere Fläche des Herzbeutels mit der Rippenwand von der 3. Rippe abwärts
fest verwachsen. Nach Herausnahme der rechten Lunge zeigte sich dieselbe collabirt, aber noch
sehr gross, jedoch nur an den freien Rändern etwas emphysematos; sie bestand aus drei Lappen-
deren zwei obere zum grossen Thcil in der linken Thoraxhöhle gelagert gewesen waren, welche
Lagerung eine unvollkommene Abschnürung dieser linksseitig gelegenen Theile, der beiden obern
Lappen, derart bewirkt hatte, dass dieselben in den Theilen, mit welchen sie zwischen Wirbelsäule
und Brustbein gelegen hatten, platter waren und weiter nach links voluminöser und wieder voller
wurden. Diese rechte Lunge war, wie ihre Pleura, ohne Spuren einer überstandenen entzündlichen
Krankheit. In dem obern Theil des linken gut gewölbten cavum thoracis lag neben der Wirbelsäule
von ihrem nicht getrübten visceralen Pleuralblatt umgeben, die ganz kleine vollständig atelectatische,
platte linke Lunge, welche eine deutliche Andeutung zweier Lappen zeigte. Die gerade Wirbelsäule
war ohne Veränderung.

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