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Verdrängung des Mediastinum zu bewirken, denn unter den mir zu Gebote stehenden Fällen von
Schrumpfung der Lunge ist die Mehrzahl, wie es den Anschein hat, syphilitischer Natur. Diese
Fälle betrafen nämlich Personen, welche an hereditärer oder invoterirter Syphilis litten. Bei ihnen
War der Krankheitsverlauf wahrscheinlich ganz fieberlos, es hatten sich keine Brustschmerzen, kein
Husten und Auswurf und keine Athmungsnoth gezeigt; überhaupt waren keine Beschwerden von
Seiten der Athmungsorganc von ihnen gespürt worden. Es hatte sich der Schrumpfungsprocess der
Lunge, der sich später durch die physikalische Untersuchung auf das deutlichste nachweisen liess
allmählich und symptomloss entwickelt.
Sollte vielleicht bei dieser Art der Erkrankung seltener eine Mitleidenschaft der Pleura
Ufl d eine consecutive Obliteration derselben erfolgen, welche eine Verschiebung des Mittelfelles ver
ändert? Die Schmerzlosigkeit des fortchreitenden Processes spricht dafür. Leider ist auf dem
hiesigen Hospital noch kein derartiger Fall zur Section gekommen.
Folgende Fälle, die meist im Jahre 1867 auf der hiesigen Klinik behandelt wurden, mögen
zeigen wie ausgiebig die Verdrängung des Mediastinum bei diesen Krankheitsprocessen sein kann.
Frau C. A. suchte wegen grosser Heiserkeit und Husten im hiesigen Hospital Hülfe. Die
Untersuchung des Thorax zeigte eine leichte Abplattung der linken Brusthälfte. Skoliose mit
Konvexität der Wirbelsäule nach links und compensirende Krümmung nach rechts in der Höhe der
s pinae scapulae. Der Herzstoss fand sich im 5. intercostalraum, etwa 5 Ctm. nach aussen von der
Brustwarze; im 3. linken Indercostalraum deutliches Pulsiren 7 Ctm. vom Stcrnalrand; noch weiter
Ua ch aussen fühlte man deutlich das diastolischo Zusammonklappen der Pulmonalklappen. Ueber
^ er linken Lunge gedämpfter Schall. Am linken Stcrnalrand zog sich jedoch bis zur untern
Thoraxapertur ein 3—4 Ctm. breiter Streifen von ganz normalen Lungenschall, der weiter nach
°ben allmählich schmäler wurde. Die Herzdämpfung unterhalb der 3. Hippe beginnend reichte
beinahe bis an den Rand des Pectoralis major. Es hatte diese Frau auf der Dorsalfläche des rechten
Vorderarmes eine grosse mit den darunter liegenden Thoilen nicht verwachsene Narbe, das Residuum
e mer lange bestandenen Ulceration. Die hartnäckige Heiserkeit, an welcher sie litt, hatte ihren
Lvund in einer ulcerösen Zerstörung des Kehldeckels und der Schleimhautduplicaturen am Kehl
kopfseingange, welche durch den Gebrauch von Jodkalium zu völliger Heilung gebracht wurde.
Lie Beschaffenheit der Hautnarbe und der Kehlkopfsgeschwüre Hessen an der syphilitischen Natur
'Loser letzteren nicht zweifeln.
In ähnlicher Weise war das Mediastinum bei einem an syphilitischem Lupus leidenden
laugen Manne C. N., in Folge von Luugenschrumpfung verdrängt. Der Herzstoss fand sich in»
L Intercostalraum 3 Ctm. nach aussen von der Brustwarze. Im 2. Intercostalraum 7 Ctm. vom
Stcrnalrand sah man während der Inspiration bei jeder Systole eine starke Pulsation und fühlte
Ktm. vom Stcrnalrand bei jeder Diastole das Zusammenklappen der Semilunarklappen der
1 'Lmonalis. Die linke Lunge gab bis zur Spitze hinauf gedämpften Schall. Der Rand der rechten
Lunge überragte den linken Stcrnalrand in der Höhe des ersten Intercostalraums um 2 Ctm., in der
Hohe des zweiten um 3 Ctm. und in der Höhe des dritten um 1 Ctm.
Es würde zu weit führen und zu ermüdend werden, wollte ich alle Fälle anführen, die ich
Zur Hand habe. Man findet derartige in jedem Krankenjournal. Ich kann mich jedoch nicht onl-
bglten die Krankengeschichte eines Schneidergesellon mitzutheilen, die sich im Krankenjoumal vom Jahre
vorfindet, da siesich durchbesondere Hochgradigkeit der Verdräugungserschemuugen auszeichnet.

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