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Durch directen Druck und zwar ausschliesslich durch diesen, wirken schliesslich die Neu
bildungen der Lunge und der Pleura auf das Mediastinum; nämlich das Carrinom und der
Echinococcus. Der directe Druck wird hier durch das Wachsthum der Geschwulst bewirkt; doch
kommt es sehr auf den Sitz derselben an, ob und warum eine V erschiebung des Mediastinum erfolgt
und ist namentlich die Grösse der Neubildung für diese Erscheinung von Wichtigkeit.
Wintrich citirt im 5. Band des von Yirchow redigirten Handbuchs der speciellen Pathologie
und Therapie mehrere in der Literatur verzeichnete Fälle von Lungen- und Pleurakrebsen, welche
bedeutende Verdrängungserscheinungen hervorriefen.
Ein recht interessanter Fall von Echinococcuscyste im Pleurasack wurde auf der hiesigen
medicinischen Klinik im vorigen Jahre beobachtet. Ich erlaube mir denselben liier kurz mitzutheilen.
Das 24järigo Dienstmädchen A. K. wurde wegen grossen Athmungsbeschwerden am
21. October 1868 auf der Klinik aufgenommen. Die rechte Thoraxhälfte war sehr stark ausgedehnt
und fand sich eine ziemlich starke Skoliose im Brusttheil der Wirbelsäule mit der Converität nach
rechts, im Lendentheil nach links. Der Percussionsschall war über der rechten Thoraxhälfte voll
kommen leer, bis zum Rippenbogen hinab und ging die Dämpfung des Schalls oben reichlich einen
Zoll über den linken Sternalrand hinaus, weiter unten ging sie in die Herzdämpfung über. Das
Herz war der Verschiebung des Mediastinum entsprechend verdrängt und fand sich der Spitzenstoss
in der Axillarlinie im 6. Intercostalraum. Leber der linken Lunge hört man überall verschärftes
vesiculäres Athmcn. Die Trachea hatte am Halse eine schiefe Richtung von rechts oben nach links
unten. Am 11. Januar 1869 wurde die Thoracoeeutese gemacht und mit einiger Mühe der seltene
Befund gemacht, dass sich im Pleurasack über 300 grössere? und kleinere Echinococcusblasen befunden
hatten, welche die erwähnten Verdrängungserscheinungen bewerkstelligt hatten. Mit den Blasen
wurden noch circa 4000 CC. Flüssigkeit entleert. Im Verlauf der Krankheit wurde noch mitunter
eine sehr hohe Pulsfrequenz, so dass der Puls unzählbar wurde, bemerkt.
Kommen wir jetzt zur zweiten Klasse der das Mediastinum vordrängenden Kräfte, so ist
dieselbe dadurch ausgezeichnet, dass der Druck auf das Mediastinum von keinem Krankheitsproduct
der leidenden Lunge ausgeübt wird, sondern dass im Gegentheil die Druckkraft auf der gesunden
Beite placirt ist. In dieser Weise wirken die Proccsse auf das Mediastinum ein, welche zu einer
Schrumpfung der Lunge führen, vorausgesetzt, dass dieselben nicht mit einer ausgedehnten Ver
wachsung dieses Organs mit der Brustwand verbunden sind. Durch diese Erkrankungen erleidet
die befallene Lunge eine Volumens Verkleinerung, so dass sie den ihr zugewiesenen Raum im
Thorax nicht mehr auszufüllen im Stand ist. Der durch das schrumpfende Organ frei gegebene Raum,
wird durch ein anderes Medium ausgefüllt. Wir haben schon oben als Ausfüllungsmittel das Aufsteigen
des Diaphragma, das Einsinken der Thoraxwand und die Entstehung von Bronchicctasien, wie sie bei
diesen Erkrankungen zu Staudo kommen müssen, falls der Pleurasack obliterirt ist, artgeführt. Die
Ausfüllung des durch die Verkleinerung der Lunge entstehenden Raumes wird in den Fällen, die
ich einer Berücksichtigung unterwerfe, durch den Atinosphärondruok bewirkt, welcher, die gesunde Lunge
emphysmatisch erweiternd, das Mediastinum sammt dem Herzen der sich gegen ihre Wurzel contra-
hirenden erkrankten Lunge nachdrängt und ist also der Atmosphärendruck der eigentliche das
Mediastinum verdrängende Factor. Die Cirrhose ist die häufigste Krankheit, welche diese Art von
Verdrängungserscheinung hervorruft, sei sie nun primär oder secundär. Besonders scheint eine
Form von Lungenschrumpfung in Folge oder als Ausdruck syphilitischer Processo in der Lunge eine

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