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des Transsudates kommt jedoch erst ziemlich spät zur Geltung und hat das seinen Grund in der
Contractiohskraft der Lunge. Die Lunge nämlich, welche vermöge ihrer Elastizität in beständiger
Retraction begriffen ist, wird nur durch den Atmosphärendruck, der durch die Trachea und die
Bronchen auf dieselbe einwirkt, ausgespannt erhalten. Wird aber ein Exsudat zwischen pleura pul-
monalis und costalis gesetzt, so retrahirt sich der betreffende Lungentheil auf ein kleineres, der
Menge des flüssigen Exsudats entsprechendes Volumen. Durch die Massenzunahme des Exsudats
wird endlich ein Punkt erreicht, wo das Maximum der Retraction überschritten und die Elastizität
der Lunge erschöpft ist. Jetzt beginnt die Druckwirkung des Exsudats auf die rctrahirte Lunge
selbst, auf das Diaphragma und das Mediastinum. Da jedoch die Flüssigkeit nach dem Gesetz der
Schwere drückt, so kommt es, dass das Mediastinum, obgleich eine dünne Membran von geringer
Resistenz, später verdrängt wird, als das Diaphragma, welches bei massenhaftem Exsudat eine
bedeutende Last zu tragen hat. Gesteigert wird der Druck des Transsudates ferner durch den
Gegendruck, den die verdrängten elastischen Organe durch die Flüssigkeit hindurch ausüben. E lU
zweites erhebliches Moment für die Verdrängung des Mediastinum ist bei Pleuraexsudaten durch
die Retractionskraft der Lunge der gesunden Seite gegeben. Das verschiebbare Mittelfell muss dem
Zuge der sich noch gut retrahirenden Lunge folgen, es wird demnach nach der gesunden Lunge hm
angezogen. Durch die Verdrängungserscheinung wird auch noch eine Compression der Lunge der
gesunden Seite bewirkt, doch erreicht dieselbe selten einen höheren Grad. ✓
Nachfolgend erlaube ich mir kurz einige Fälle von Pleuritis exsudativa anzuführen, um dm
Ausgiebigkeit der Verschiebung des Mediastinum darzuthun.
W. B., ein 34jähriger kräftig gebauter Mann, wurde, nachdem er schon im Jahre 186 1
erkrankt war, sich im Frühjahr 1868 aber so weit erholt hatto, dass er seinem Berufe wieder nach
gehen konnte, im Mai 1869 abermals von Pleuritis exsudativa befallen und im Juli 1869 in die
hiesige medicinische Klinik aufgenommen. Die physikalische Untersuchung gab folgendes Resultat-
Die linke Thoraxhälfte erscheint namentlich oben hervorgewölbt, sie bewegt sich beim Athme»
nicht. Die linke Schulter steht beträchtlich höher, als die rechte. Der Spitzenstoss des Herzen®
befindet sich in der epigastrischen Grube, und auf der Höhe der fünften rechten Rippe ausserhalb
der rechten Brustwarze sieht und fühlt man die Contractionen des rechten Vorhofs. Im 3. rechten
Intercostalraum fühlt man den diastolischen Klappenschluss der art. pulmonalis. Die Percussion der
linken Thoraxhälfte gibt überall einen ganz leeren Percussionsschall. Die absolute Dämpfung des
Percussionsschalles erstrockt sich nach rechts über der zweiten Rippe um 5 Ctm., über der dritten
Rippe um 6 Ctm., über der vierten Rippe um 8 Ctm. und über der fünften Rippe um 9 Ctm. über
den rechten Stemalrand hinaus; nach unten setzt er sich in die Leberdämpfung fort. Die Trachea
ist nach rechts verschoben. Die am 24. Juli ausgeführte Punction entleerte 4180 C. C. sanguinolente 1,
Flüssigkeit.
In ähnlicher Ausdehnung war das Mittelteil bei einem rechtsseitigen Pleuraexsudat ver
schoben; welches dem 29jährigen Tagelöhner Fr. Sch. am 15. Juni 1869 durch die Thoracocentcse
entleert wurde. Die rechte Thoraxhälfte war besonders nach vom stark ausgedehnt und betheilig t(?
sich nicht an den Athmungsbewegungen. Die rechte Schulter staud beträchtlich höher als die linke-
Die Percussion ergab eine vollständige Dämpfung der rechten Seite, welche den linken Stemalrand
um mehrere Ctm. überschritt und nach unten von einer von der linken 6. Rippe abwärts zum Nabd
laufenden Curve begrenzt wurde. Links uormaler Lungenschall und scharfes vesiculäres Athme«-

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