lieh in dem venösen Gefässsystem. Auffallend ist dabei, dass die Arterien in der Nachbarschaft
der Carcinome meistens verschont bleiben, während doch die Venen fast regelmässig ergriffen sind ;
so sieht man z. B., dass die bei rasch nin sich greifenden offenen Krebsgeschwüren eintretenden
Blutungen fast immer venösen Ursprungs sind. Es erklärt sich dies durch die geringe Widerstands
kraft der Venenhäute gegenüber derjenigen der Arterien. Ausserdem begünstigt die Elasticität der
Arterienwandungen., wenn einmal die Häute durchbrochen sind, die Thrombenbildung, während die
weitklaffenden Lumina der Venen den Krebsmassen leichten Eingang gestatten. Wenn einmal d e
Krebsmasse in die Venen aufgenommen ist, so wird vermöge der Blutbewegung zum Herzen hin
und der bedeutenden Attraction, die durch die Aspiration des Thorax auf den Veneninhalt ausgeübt
w ird, dieselbe rasch in centraler Richtung weiter geführt werden. Da nun diese von dem Ort.
direr Entstehung losgerissenen Krebsmoleküle ihrer selbstständigen Entwicklung keineswegs beraubt
sind, so werden sie innerhalb des Venensystems sich zu neuen Carcinomen entwickeln können und,
wenn auch anfangs der Vqnenwand nicht adhaerierend, doch bald dieselbe in Mitleidenschaft
gezogen haben.
Die Frage, ob Carcinom in den Venen primär auftreten könne, ist ein noch vielfach be
strittener Gegenstand. Jedenfalls sind die beobachteten Fälle von primärem Venenkrebs sehr ver
einzelt und ist deshalb das Vorkommen desselben oft geläugnet. Durch Beobachtungen von
Bamberger und Virchow ist neuerdings diese Frage ziemlich ausser Zweifel gestellt. Bamberger*)
fand bei einer Obduction krebsige Massen in der Pfortader, ohne dass bei genauester Untersuchung
sich an andern Theilen des Körpers Krebsablagerungen gefunden hätten. Ein ähnlicher Fall ist
nach Bambero-er von Virchow beobachtet worden. — Vielleicht ist auch in manchen Fällen, wo die
Venenwände neben bestehendem Carcinom in andern Organen der krebsigen Entartung verfallen!
8 'nd, das Entstehen derselben ein relativ primäres. Wenn doch einmal die selbstständige Bildung
v on Krebs in den Venen zugestanden werden muss, so ist kein Grund vorhanden, anzunehmen, dass bei
gleichzeitiger Krebserkrankung eines andern Organs die V enen jedesmal durch Metastase sollten in
den carcinomatösen Process hineingezogen sein. Wie hei earcinomatöser Dyskrasie in jedem be
liebigen Organ Krebselemente sich bilden können, so wird wohl auch die Veneuwand eine selbst
ständige krebsige Degeneration erfahren können.
Durch die Krebsgeschwülste, sei cs dass sie der äusseren Gefässhaut entlang wuchernd
«inen Druck auf die betroffene Vene ausüben, sei es dass sie im Innern der Vene liegend das
Lumen derselben mehr oder weniger anlullen, wird eine bedeutende Beeinträchtigung des Lumens,
wenn nicht gar vollständiger Verschluss der Vene bewirkt werden, ln unsern Fall war durch die
verstopfenden Krebsmassen die aufsteigende Hohlader in ihrer ganzen Weite ausgefüllt. Es ist dies
«in Befund, der gewiss nicht häufig beobachtet wird und dessen Diagnose hei unserm Patienten
durch den Mangel der Albuminurie bedeutend erschwert worden war, da die Erfahrung lehrt %
dass eine Obstruction der unteren Hohlader oberhalb des Eintritts der Nierenvenen in der Regel
z,lr Ausecheidnng von Eiweiss und Blut mit dem Harn Veranlassung wird.
Schon in der ältern Litteratur sind verschiedene Fälle bekannt, gemacht, wo die Ven»
*) nürnberger, Krankheiten des chylopoeätisehen Systems, Seite 589.

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