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In der Mehrzahl der Fälle erkrankt die Leber sekundär an Krebs. Bei dem häufigen
Vorkommen des Krebses im Magen ist ein directes Uebergreifen von diesem Organ auf die Leber
sehr gewöhnlich; in andern Fällen verfällt die Leber der Carcinose dadurch, dass Krebsmassen
aus den Organen des Unterleibs durch die Pfortader ihr zugeführt werden. Oft auch wird die
Leber nach Ausrottung einer Krebsgeschwulst an andern Theilen des Körpers von Carcinom
ergriffen. Die Fälle, in welchen das Carcinom in der Leber als primäres auftrat, stehen sicherlich
neben den Fällen sekundärer Entartung nur sehr vereinzelt da. Neuere Pathologen (Cohnheim)
haben sogar das Vorkommen von primärem Leberkrebs ganz in Abrede gestellt. —
Mit dem Leberkrebs hatte sich bei unserem Patienten fast gleichzeitig dieselbe Neubildung in der
aufsteigenden Hohlvene gebildet. Die Entstehung derselben konnte auf verschiedene Weise zuStande ge
kommen sein. Wahrscheinlich war der Krebs hier entstanden durch directes Weiterwuchern, denn die
Neubildungen in beiden Organen hingen durch Vermittelung der Lebervenen continuierlich mit
einander zusammen. Es entwickelt sich auf diese Weise, durch directes Uebergreifen einer Krebs
geschwulst auf die benachbarten Venen am häufigsten das Carcinom in den venösen Gefässen.*)
Dabei kann in manchen Fällen die Krebsmaterie die Venen durchdringen bei vollkommenem
Unversehrtbleiben ihrer Häute. Weit öfter zerstört aber die Krebsgeschwulst die Venenwände.
In diesem Fall breitet sich das Carcinom entweder bloss auf die äussere Venenhaut aus, wuchert
in derselben nach auf- und abwärts**), lässt jedoch die inneren Häute unversehrt oder es schreitet
von aussen nach innen vorwärts, durchbricht auch die innere Gefässhaut, wuchert in das Venenrohr
hinein und kann es vollständig mit Krebsmasse erfüllen. Wenn einmal die Krebsmasse die Venen
wand durchbrochen hat, so vergrüssert sich dieselbe durch Organisation aufgelagerter Blutcoagula
meistens sehr schnell und gewinnt einen viel grösseren Umfang, als man oft nach der unbedeutenden
Perforationsöffnung erwarten sollte. Die zuletzt genannte Ausbreitung des Krebses beobachtet
man am häufigsten bei den grossen Venenstämmen des Unterleibs, der Pfortader, den Leber-»
Milz- und Nierenvenen, sowie der untern Hohlader, welche der wuchernden Ausbreitung eines
Leber-, Gekrös- oder Ketroperitonealkrebses unterliegen.
Eine andere Art der Entstehung des Venenkrebses kommt dadurch zu Stande, dass Krebs
elemente von irgend einem Theil des Körpers her in den venösen Kreislauf aufgenommen, hier
haften bleiben und sich zu neuen Carcinomen entwickeln. Gewiss ist dieser Punkt insofern von
nicht geringer Wichtigkeit, als okne Zweifel eine grosse Anzahl der so häufigen Krebsmetastasen
durch Fortführung krebsiger Massen vermittelst der Venen und Ablagerung derselben an andern
Stellen des Kreislaufs zu erklären ist. Vor Allem wurde durch die Untersuchungen von Cruveilhier
und Carswell das häufige Vorkommen krebsiger Massen in den Venen, so besonders in den Leber-,
Magen-, Nieren- ‘und Uterinvenen bei carcinomatüser Erkrankung der im Bereich ihres Gefäss-
bezirks liegenden Organe dargethan. Cruveilhier***) fand seine matteres cancereuses so häufig in
den Uterinvenen, dass sich ihm die Ueberzeugung aufdrängte, aller Krebs entwickle sich ursprüng-
*) Langenbeck Schmidt, Jahrbücher, Band 26, Seite 99. Puchelt, Krankheiten des Venensystems, Seite 292 u. f.
*’) Köhler, Krebs und Scheinkrebskrankheiten, Seite 593.
** e ) Crureilhier, Anatomie path. Maladies de l’nterus Livr. 24.

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