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Alter des Patienten, das lange Bestehen der krankhaften Zustände (schon im 21. Lebensjahre zeigten
sich bei unsern Kranken die ersten Erscheinungen einer Kreislaufsstörung), Dazu war die Ge-
schwulst bis kurz vor dem Tode des Kranken mit nur geringen Schmerzen verlaufen; es fehlten
die Erscheinungen des Krebsmarasmus, die nach so langem Bestehen des Uebels vermuthlich hätten
eintreten sollen: das kachektische Aussehen, die welke Beschaffenheit der Haut.
Eine einfache Echinococcusgeschwulsf konnte ausgeschlossen werden durch das Fehlen der
Fluctuation, des fremissement hydatique die höckerige Beschaffenheit der Oberfläche der Leber,
Unter diesem Umständen lag es nahe, an die Möglichkeit einer multiloculären Echinoccen-
geschwulst zu denken. Natürlich konnte bei der Schwierigkeit der differentiellen Diagnose zwischen
Carcinom und multiloculärem Echinococcus das Vorhandensein des letzteren nur gemuthmasst werden.
Die Theragie konnte bei unsern Kranken nur eine symptomatische sein. Zur Erhaltung der
Kräfte wurde Wein verordnet, sowie Syr. ferri jodat. Zur Linderung der Schmerzen im rechten
Hypochondrium wurden Kataplasmen von Kreuznacher Mutterlauge angewandt; als im spätem
Verlauf die Schmerzen an Heftigkeit Zunahmen, wurden Injectionen von Morphium 0,015 gr®-
gemacht.
Am 10. August wurde von Herrn Prof. Bartels die Section gemacht; dieselbe ergab
folgendes Resultat:
Mittelgrosse, mässig abgemagerte Leiche, die obere Körperhälfte ist stark cyanotisch gefärbt,
ebenso das Gesicht. An den untern Extremitäten, am Scrotum, an den Bauchdecken, sowie am
Thorax zeigen sich enorm ausgedehnte Venennetze. Beim Durchschneiden der Bauchdecken klaffen
die oft fingerdicken Venenstrenge und zeigen sich mit Gerinnseln angefüllt.
Das Zwerchfell ist nach oben gedrängt, steht gegenüber dem vierten Rippenknorpel-
Im Herzbeutel befindet sich eine geringe Menge stark ikterisch gefärbter Flüssigkeit. Aus der
rechten Wand des Herzbeutels ragen mehrere nussgrosse Knoten von weisslicher Farbe hervor.
Am Herzfleisch und an den Klappen zeigen sich keine Abnormitäten.
Beim Durchschneiden der aufsteigenden Hohlader zeigt sich das Lumen derselben an der
Durchtrittsstelle durch das foramen quadrilaterum durch eine Wucherung von weissgelber Farbe
und starkem Gefässgehalt gänzlich verschlossen. Unterhalb der Leber ist die Hohlader wegsam.
Die linke Lunge ist frei beweglich in ihrem Pleurasack, hat 3 Lappen und ist überall von
zahlreichen hirsekorn- bis nussgrossen Knoten von weissgelber Farbe und deutlicher Gefässbildung
durchsetzt. Die grösste Menge derselben liegt unter dem Pleuraüberzug. Die rechte Lunge ist
in ihrer ganzen Ausdehnung mit der Brustwand verwachsen und von ähnlichen Knoten durchsetzt
wie die linke.
Bei Eröffnung des Peritonealsackes fliesst gegen 3 Litre blutig gefärbter Flüssigkeit heraus,
die einzelne feste Cruosmassen ausgeschieden hat.
Die Milz ist stark vergrössert, 19 Centimeter lang, 13 Ctm. breit, 8 Ctm. dick, von derbem
und festem Gefüge und blassbraunrother Farbe. Ihre Kapsel ist mit grobkörnigen Verdickungen
durchsetzt.
Zwischen den Duplikaturen des Bauchfells, welche den Magen und Quergrimmdarm mff
einander verbinden, zeigt sich ein grosses Blutcoagulum.

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