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Oie Rippenbögen werden mit der untern Hälfte des Sternum bei jeder Inspiration tief
nach einwärts gezogen, während die Leber, deren Dämpfung auch bei der Exspiration
schon bis zur fünften Rippe reicht, jedesmal um etwa einen Centimeter hinaufrückt. a
Dass die Verengerung im Kehlkopfe Ursache aller dieser Erscheinungen gewesen,
zeigte sich schon gleich nach der Operation, indem schon nach wenigen Minuten die
Inspiration wieder eine natürliche Erweiterung des Thorax zur Folge hatte, während
auch das Herz in weit geringerer Ausdehnung pulsirte, wie vorher, die Lunge also
schon wieder anfing, durch den Athmosphärendruck ausgedehnt zu werden. Zugleich
war das Athmungsgeräusch, das vor der Operation einen ganz unbestimmten Character
trug, überall wieder veaiculair geworden. Der Tod erfolgte dennoch nach 3 Tagen,
und ergab die Section .einen Croup des Kehlkopfs und der feineren Bronchien.
Was nun bei der Diphtheritis die Pseudomembrauen auf der Schleimhaut be
wirken , das kann auftreten bei jeder andern Stenose der Luftwege, sei sie durch
Oedema glottidis, Spasmus glottidis, Compression der Trachea oder eines Bronchus
durch Kropf- oder andere Geschwülste (Aneurysma, Carcinoma), oder sei sie durch
das Hineingerathen von Fremdkörpern bewirkt, und ergreife ich hier Gelegenheit,
eines Falles zu erwähnen, der im vorigen Jahre auf der medicinischen Abtheilung des
hiesigen Krankenhauses zur Beobachtung kam. Es betraf dies ein etwa l 1 /^ Jahre
altes Kind, welches wegen plötzlich aufgetretenen Krampfhustens und grosser Athmungs-
noth von dem hinzugerufenen Arzte aufs Spital geschickt war. Professor Bartels
fand über der ganzen linken Lunge nur ein sehr schwaches undeutliches Athinungs-
geräusch, und unterliess nicht, wiederum aufmerksam zu machen auf die gänzliche
Entblössung des Herzbeutels und der Arteria pulmonalis, deren Pulsationen man deut
lich sah, von Lungensubstanz. Die linke Seite betheiligte sich weniger am Athineii,
als die rechte, und war auch keine Vergrösserung der Herztlämpfüng nach rechts hin
nachzuweisen. Seine Vermuthung, dass ein Fremdkörper wahrscheinlich den Bronchus
sinister verstopfe, wurde bestätigt durch den Sectionsbefund; indem eine Bohne —
mit welcher das Kind, wie sich später herausstellte, kurz vor dem Auftreten des ersten
Hustenanfalls gespielt haben sollte — das Lumen des linken Bronchus fast vollständig
verschloss. Es w r ar nun, da hei Lebzeiten die noch jetzt gewulstete und geröthete Schleim
haut bedeutend mehr geschwollen gewesen sein mochte, anzunehmen, dass nur ein Luft-
ström von ganz minimaler Stärke — wenn überhaupt einer — die verengte Stelle
passiren konnte; dass also in der Zeiteinheit nur sehr wenig Luft in die linke Lunge
eindringen konnte. Die Differenz zwischen dem Luftdruck in dieser Lunge und dem
äussern Athmosphärendruck musste demgemäss ein so bedeutender geworden sein,
dass es den Inspirationsmuskeln unmöglich wurde, den Thorax dem Athmosphären
druck entgegen bedeutend zu heben, und dass zugleich die elastische Lunge, von dem
Luftdruck innerhalb derselben zum grossen Theile befreit, ihre Kraft frei entfalten und
sich vom Herzbeutel zurückziehen konnte Todesursache war eine pneumonische

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