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desselben und daher langsamerer wie auch mangelhafterer Resorption, vor Anwen
dung desselben directe oder indirecte Reize auf denselben zur Application gebracht
hat. In erster Beziehung ist der Gebrauch der Brechmittel von einzelnen Aerzten
gerühmt worden. Man hat öfterer in Malariagegenden die Beobachtung gemacht,
dass bei älteren torpiden Individuen, die wiederholt bereits an Intermittens gelitten^
insbesondere bei der in der Regel hartnäckigsten Form, der quartana, der genügende
Gebrauch der gewöhnlichen, selbst grösserer Dosen der Chininsalze den Paroxysmen
keine Schranken zu setzen vermochte, dieselben dagegen nach vorheriger Anwendung
eines Brechmittels den bisher usuellen Gaben des genannten Febrifugums wichen. Es
scheint natürlicher, diesen Erfolg des Brechmittels, der von unsern Aerzten der
Marschdistricte öfterer beobachtet worden, hauptsächlich dadurch zu erklären, dass
durch den Brechact die von zähem Schleimsecret in Folge Magencatarrhs bedeckte
Schleimhaut von letzterem befreit und dadurch die Resorption des Antipyreticum er
leichtert und vervollständigt worden. 8 ) — Oder es scheint die Wirkung des Brech
mittels nur dann die des nachfolgenden Febrifugums sicher zu stellen, wenn kurz vor
Eintritt des ersten Anfalls oder schon nach begonnener Krankheit in der fieberfreien
Zeit ein gröberer Diätfehler begangen, — ein Fall, den Niemeyer als einzigste Indi
cation für die Anwendung des Emeticums bei Intermittens gelten lässt. 9 ) -— Auch
steht zur Frage, ob in solchen Fällen die Anwendung des Chininsalzes mittelst der
subcutanen Injection nicht der Anwendung des Brechmittels vor dem innerlichen
Gebrauch des Febrifugums vorzuziehen und gerechtfertigt sein würde. Problematischer
erscheint jedenfalls noch die Behauptung, dass, wenn die Wirkung selbst grösserer
Gaben der mineralischen Brechmittel bei narcotisehen Vergiftungen zum Behuf der
Entleerung des Giftes angewendet, wegen Anästhesie der Magennerven versagte, die
Anwendung stärkerer Hautreize, wie verschärfter Sinaapismen oder des Ol. Sinapeos
aethereum auf die Magengegend, im Stande gewesen sei, die erforderliche Wirkung
der verabreichten Brechmittel herbeizuführen.
Nach dem bisher Angeführten ergiebt sich, dass unsere derzeitige Kenntniss
von den zweckmässigsten Mitteln, die Gewöhnung an Arzneimittel zu verhüten, resp-
derselben entgegenzutreten, noch, wie so manche Theile der Therapie, lückenhaft ist
und dass die Ergänzung auch dieser Lücke nur allmählig von aufmerksamer Beob
achtung und umsichtig angestellten Versuchen erwartet werden darf.
s ) Vergl. Handbuch der klinischen Arzneimittellehre, von Dr, L. Posner. Berlin 1866.
Pag. 507. Z. 27. u. ff.
®) Vergl. Niemeyer’s Lehrbuch der Pathologie und Therapie, Artikel: Intermittens.

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