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Verfassers der folgenden Zeilen, die Mittel und Wege in Kurzem kritisch zu prüfen,
durch welche man in der ärztlichen Praxis diesen Zweck zu erreichen bemüht ge
wesen ist.
Die Steigerung der Dosis eines Arzneimittels, um Gewöhnung zu verhüten,
hat selbstverständlich ihre Grenzen, obschon es zur Genüge bekannt ist, dass wir uns
bei einzelnen Krankheiten selbst grösserer Dosen heroischer Arzneimittel bedienen
können und müssen. Ich führe als Beispiel nur das Opium bei Delirium tremens,
bei Tetanus und Carcinom, — die mineralischen Brechmittel bei narcotischen Vergif
tungen an. Eine solche Steigerung ist selbstverständlich ausgeschlossen bei vegeta.
bilischen und mineralischen Arzneimitteln, die in grösserer Dosis Entzündung des
Applicationsorgans zur Folge haben, sowie namentlich bei denjenigen narcotischen
Mitteln, denen eine cumulative Wirkung zukommt, wie bei der Digitalis und den
strychninhaltigen Arzneikörpern. — Der erste Weg zur Verhütung der Gewöhnung
besteht daher in der Regel darin, „dass wir ähnlich wirkende Mittel mit
denjenigen, deren Wirkungsabschwächung durch Gewöhnung verhü
tet werden soll, verbinden oder erstere den letzteren eine zeitlang
substituiren.“ —• Am sichersten wird dieser Zweck erreicht werden, wenn die zur
Vertretung bestimmten Mittel hinsichtlich ihrer näheren chemischen Bestandteile,
besonders der für die beabsichtigte Wirkung namentlich in Betracht kommenden,
übereinstimmen. Dies finden wir z. B. bei verschiedenen vegetabilischen Purgantien
wie bei der Rad. rhei, der Cort. Frangulae, den fol. Sennae, welche letztere beide
auch in Bezug auf die Art und den Grad der Abführwirkung nur geringe Differenzen
darbieten. Nach Kubly’s und Dragendorff’s Untersuchungen ist als wirksamer Bestand
teil der folia Sennae die Cathartinsäure anzusehen, welche in der Drogue, an Kalk
und Magnesia gebunden, enthalten ist. 2 ) — Eine ganz ähnliche, vielleicht identische
Substanz ist von Kubly aus der Cort. Frangulae gewonnen, welche jedoch in dieser
Rinde frei und reichlicher vorhanden ist. 3 ) — Dass in den fol. Sennae auch Chryso-
phansäure vorhanden, welche am reichlichsten in der Rad. rhei enthalten, und bisher
meistenteils als das Abführprincip derselben angesehen wird, ist von Martius nach
gewiesen. 4 ) — Diesen drei genannten Catharticis gesellt sich noch die Aloe hinzu.
Wenn nun auch die wirksamen Bestandtheile der letzteren (Aloeharz und Aloin.) nicht
dieselben sind, wie in der Rad. rhei und den fol. Sennae, so bieten dieselben doch
Analogien mit den näheren Bestandteilen dieser dar. — Dem Gesagten zufolge ist
D M. Kubly, „Ueber das wirksame Prinzip und einige andere Bestandtheile der Sennes-
blätter;“ Inauguraldissertation. Dorpat 1865.
3 ) Derselbe, „Beitrag zur chemischen Kenntniss der Rinde von Rhamnus Frangula i°
Wittstein’s Vierteljahrsschrift für practische Pharmacie.“ Bd. XVI. (1867) 3. Heft Pag. 332.
U Carl Martius, „Versuch einer Monographie der Sennesblätter.“ Leipzig 1857.

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