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behandelnde Arzt nähte die Wunde; es trat jedoch Eiterung auf, die etwa 3 Wochen
anhielt. Während d er Heilung soll das Kind 3 mal erisipelas faciei gehabt haben;
die Wunde soll mit einem grauweissen Belag bedeckt gewesen sein mit geschwellten,
gerötheten Ständern. Der Arzt hatte dies damals als Wunddiphtherie erkannt. Seit
14 Tagen nun hat das Sehvermögen abgenommen, so dass das Kind . in der Schule
ni cht mehr an den Leseübungen Theil nehmen kann.
Die Untersuchung ist ausserordentlich schwer, da die kleine Patientin nur
Wtiren kann; es stellt sich jedoch heraus, dass das Kind mittlere Buchstaben, Jaeq.
^—11, erst jenseits 14" theilweise richtig lautirt. Mit 10 buehstabirt es auf diese
Entfernung schon richtig. Die Prüfung der Sehschärfe wird sehr durch die Aengst-
bchkeit des Kindes erschwert, es scheint jedoch S. l /i — l fo. Coneavgläser scheinen
das Sehen in die Ferne zu verschlechtern. Nach Calabarisirung des rechten Auges
Sa b sie dann diesen Unterschied besser. Das linke Auge jedoch lautirte constant
grössere Buchstaben innerhalb 14" verkehrt; so lautirt sie jetzt mit dem rechten
■A-nge gut No. 1. Es wurde ferrum und Calabar verordnet. Nach 14 Tagen lautirt
mit beiden Augen gleichmässig auf 4 Zoll Laeq. No. 4, rückt man die Buchstaben
We iter bis auf 8 Zoll hinaus, so liest sie um so besser. S. 1 für beide Augen.
Der Vater, der selbst Lehrer, theilte 14 Tage darauf mit, dass das Kind
e benso gut wie früher an dem Leseunterricht Theil nehme.
Ein fernerer Fall von Accomodationsparalyse nach W unddiphtherie, der ähnlich
diesen beiden verlief, wurde in der hiesigen chirurgischen Klinik beobachtet.
Geschichtliches.
Es dürfte vielleicht nicht unnöthig erscheinen, die vorhandenen Fälle von
Eähmungen nach Haut- und Wunddiphtherie, soweit thunlich, zusammenzustellen, um
zeigen, in wie fern die unsrigen angeführten ein besonderes Interesse beanspruchen
können. Der betreffenden Fälle sind in der Literatur nicht viele aufzufinden; auch
haben dieselben kein eben erfreuliches Schiksal gehabt: immer wieder ignorirt, immer
Nieder darauf aufmerksam gemacht, zuletzt gar anders gedeutet. Die ersten bekannt
gewordenen Fälle scheinen die im Jahre 1859 von Gueneau de Mussy und Barthez
beobachteten vier zu sein. 1 ) Von diesen ist mir einer, von ersterem Forscher beob
achteter, zugängig geworden. Lähmung der Extremitäten und des Gaumens und
»Schwäche des Gesicht’s“ nach einer diphtheritischen Vesicatorwunde ohne etwas im
Aachen Nachweisbares. Ferner die von Garnier in seiner Dissertation 1860 ver
öffentlichten 2 Fälle, die eben zu den von ersteren Forschern beobachteten zu ge-
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l °ren scheinen. 2 ) In beiden Fällen bestand Diphtheritis der Ohrmuschel, einmal auf
*) Canstatt 1860,
a ) Canstatt 1860.

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