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Es war ein schmutziger graugrüner Belag, die Wundränder rötheten sieh, wurden
scharf, die Granulationen sanken zusammen, wodurch die Wunde sofort um vieles
tiefer erschien. Versucht man den Belag abzustreifen, so blutet die Wunde leicht
und die rein geriebenen Stellen sehen nach kurzer Zeit wieder wie vorhin aus; dabei
ist die Umgebung der Wunde völlig normal, keine Geschwulst, kein Schmerz ist vor
handen. Das Allgemeinbefinden liess in allen von uns beobachteten Fällen nichts zu
wünschen übrig, die Leute hatten kein Fieber, nur bei einem einzigen ging die
Temperatur des Abends bis auf 38,2 Alle angewandten Mittel, diesen lästigen, die
Heilung verzögernden Zustand zu beseitigen, blieben erfolglos, selbst nach Anwendung
der Galvanokauter kehrte der Belag wieder; die besten Dienste schien noch eine
concentrirte Lösung von Kal. hypermanganicum zu thun. Nachdem der Zustand 2— 4
Wochen gedauert, verschwindet er von selbst, die dann nun etwas grösser gewordene
Wunde bedeckte sich wieder mit den schönsten Granulationen und alle unsere Fälle
heilten dann ohne irgend welchen Zwischenfall. *
Wir haben lange Zeit nicht recht gewusst, was wir daraus machen sollten;
der Mangel aller Allgemeinerscheinungen, das vereinzelte Auftreten dieser Fälle, ob
gleich die Kranken nie isolirt wurden, waren alles Gründe, die uns die Diphtheritis
ausschliessen liessen, bis das Auftreten der Accommodationsparalyse alle Zweifel hob.
1. Fall. H. Legband, Knabe, 7 Jahre alt, aus Wankendorf, wurde wegen
einer Nekrosis tibiae in’s Hospital aufgenommen, am 14. December 1865 wurde die
Nekrotonde gemacht; da eine Spontanfructur an der obern Epiphysenlinie vorhanden
war, so wurde ein gefensterter Gypsverband angelegt. Bis zum 3. Januar 1866 grä-
nulirte die Wunde ganz vortrefflich, an diesem Tage wurde der Anfang oben beschrie
bener Veränderungen an der Wunde notirt; es wurde am 5. Januar, als die Wunde
durchweg belegt war, der Galvanokauter applicirt, doch ohne nachhaltigen Erfolg!
vom lOten an wurden Umschläge von Kal. hypermanganicum 2 stündlich gemacht.
Am 18ten wurde die Wunde besser aussehend, und Ende Januar waren die letzten
Spuren verschwunden;' während der ganzen Zeit war der Knabe fieberfrei und befand
sich völlig wohl. Am 18. Februar, also 3 Wochen nach Ablauf des Processes, klagte
der Kleine, dass er während des Unterrichts beim Lesen und Schreiben nicht mehr
gut sehen könne. Die Pupillen schienen beiderseits etwas weiter und träger als normal
zu reagiren. Bei Prüfung der Augen fand sich Hm. Y40 u. S = 1. für beide Augen,
das rechte las Jaeq. No. 5, das linke Jaeq. No. 13. Jenseits 10 Zoll Avurde mit +
schlank No. 1 bis auf 4 Zoll gelesen. Nach Einträuflung von Calaber lasen beide
Augen No. 1. Jäger von 5—15“. Nach einer 3 wöchentlichen Behandlung mit ferruin
schwanden die Symptome ganz. Patient hatte wieder volle Aceommodationsbreite,
die Hypermetropie war geschwunden.
Der zweite Fall betrifft ein 7jähriges Mädchen aus Kiel. Vor 8 Wochen hatte
das Kind sich durch einen Fall eine zollange Wunde auf der Stirn zugezogen. Der

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