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schiedenen Epidemien verschieden verhält. Manche Unklarheit in den Angaben über
das Verhalten der Pupille scheint auch daraus hervorgegangen, dass die Accommo-
dationslähmungen hierin nicht genug nach den Ursachen unterschieden worden sind.
Dieses Verhalten der Pupille aber ist in so fern bemerkenswerth, als die Mydriasis
bei den andern Accommodationsparalysen die Regel ist, und scheint es geeignet, über
das Wesen der diphtheritischen Lähmungen einigen Aufschluss zu geben.
Herabsetzung der Refraction.
Diese Refractionsverminderung hat im Ganzen bei der diphtheritischen Accom-
modationslähmung nichts eigentümliches, ausser vielleicht, dass die Paralyse des
Giliarmuskels höchst selten eine vollständige ist, sondern fast immer Parese bleibt
und dies in Uebereinstimmung mit den andern diphtheritischen Lähmungen (Weber,
Donders). Die Hypermetropie bei meist emmetropischen und einigen hypermetro-
pischen Augen schwankte zwischen I/20 und I/40, das letztere das gewöhnlichere.
Bemerkenswerth ist, dass sich unter allen nur zwei Myopen fanden 5 theils erklärt
sich dies wohl aus dem jugendlichen Alter, als dem der Diphtheritis am meisten ver
fallenen (die meisten Patienten waren unter 14 Jahren), theils auch wohl, weil bei
Kurzsichtigen die Beschwerden am geringsten sind.
Die ursächliche Erklärung dieser Refractionsverminderung wird immer abhängig
sein vom Stand der Lehre von der Accommodation, In diesem Sinne sind die Ver
suche zur Erklärung derselben sehr verschieden ausgefallen. Etwas sehr verlockendes
hatte die frühere der Henke-Müller’schen Lehre von der Accommodation entsprechende
Ansicht, als sei die Refractionsverminderung bei der Ac’commodationsparalyse als eine
Lähmung der Circularfasern mit gleichzeitig gesteigerter Contraction der Radiarfasern
des Ciliarmuskels aufzufassen, die vielleicht vom Sympathicus innervirt würden, ähnlich
wie bei der Pupille. Dieser Anschauung neigte sich auch früher v. Gräfe zu.
Jetzt bleibt wohl nichts mehr übrig, als dieselbe im Sinne der H e lm h oltz i sehen
Theorie zu erklären, wie dies auch schon von Jacobson geschehen: dass also durch
die Erschlaffung des Ciliarmuskels die Spannung in der Zonula erhöht wird, was eine
Abflachung der Linse, somit eine Refractionsverminderung zur Folge hat, dies wird
um so leichter und ergiebiger geschehen, je weicher und dehnbarer die Linse ist.
Thatsächlich ist dem entsprechend die Refractionsverminderung bei Kindern am be
deutendsten.
Herabsetzung der Sehschärfe,
Dieses ziemlich häufig bei der Accommodationsparalyse vorkommende Symptom
scheint wenig beachtet worden zu sein: wenigstens habeich nur eine hierauf bezüg
liche Bemerkung bei Weber finden können. Derselbe führte die beobachtete Ver-

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