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Zunächst erscheint es einigerrnassen auffällig, dass der freie Gelenkkörper bei
bei seinem gänzlichen Mangel an Gelassen überhaupt die Fähigkeit, Verwachsungen
einzugehen, besitzt. Ich glaube, dass in der That dieses nicht der Fall ist und er
selbst sich bei diesem Process ziemlich passiv verhält, obgleich es bei dem in ihm
nachgewiesenen Zellenleben nicht absolut paradox klingt, wenn man auch eine durch
die benachbarte Entzündung in ihm selbst angeregte Gefässbildung hypothetisch an-
nimmt. Ich erkläre mir seine allmähliche Befestigung einmal so, dass die an der
Ein- und Ausstichsöffnung am Gelenkkörper gelegenen Weichtheile, Synovialzotten,
Synovialhaut und subsynoviales Gewebe in einen entzündlichen, aufgelockerten, reichlich
vascularisirten Zustand gerathen, wodurch der Fremdkörper ganz oder zum grössten
Eheil eingebettet und festgehalten wird. Später würde das neugebildete Gewebe
schrumpfen, nachdem die Gefässschlingen möglicher Weise einen Theil des Fremd
körpers durch Resorption zur Rarefaction gebracht haben. Zweitens könnte nach
Analogie der Transplantation natürlicher und künstlicher Zähne und öfteren Einwachsens
der Dieffenbach’schen Elfenbeinstifte bei Behandlung von Pseudarthrosen eine lebhafte
Entzündung entstehen, welche mit Exsudation Urj d Callusbildung einhergeht und da
durch den Knorpel mit den umgebenden Theilen verwachsen lässt. Später würde der
Eallus und mit ihm der eingeschlossene Knorpel aufgesaugt. Hierbei wäre also vor-
z ugsweise Knochen und Periost thätig. Endlich wäre noch die Möglichkeit denkbar,
dass sämmtliche aufgeführten Theile der Gelenkhöhle zur Adhäsion beitrügen, auch
w ürde dieses in der Bursa extensorum die Beweglichkeit des Gelenkes nicht wesent
lich beeinträchtigen. —
Gehn wir nun zur Beschreibung der vier im hiesigen akademischen Hospital
ZUr Beobachtung und Operation gekommenen Fälle über:
I. Magdalena Möller, Dienstmädchen aus Barmissen, 19 J. alt Stellt
sich am 29. October 1863 vor.
Anamnese: Patientin ist vor 10 Wochen aufs rechte Knie gefallen, welches
hald anschwoll und schmerzhaft wurde. Das Gehn und Arbeiten war nicht behindert,
m,r konnte nichts Schweres getragen werden. Während Patientin umherging, wurden
a dgemein gebräuchliche Hausmittel angewandt und Blutegel gesetzt.
Status praesens: Das rechte Knie ist noch etwas geschwollen und bei Bewe
gung unter der Kniescheibe schmerzhaft. Patientin giebt an, sie fühle das „Vergleiten“
eines fremden Körpers von dem Umfange einer grossen Bohne. Von Zeit zu Zeit
fü hlt s ie etwas Schmerz. An der Aussenseite der Patella fühlt man hin und wieder
ei nen kleinen Körper, welche reichlich die Grösse einer Erbse hat, aber gleich wieder
Verschwindet. Die Patella tanzt etwas. Es wird dem Mädchen gerathen, sich in’s
Hospital zur Entfernung des Fremdkörpers aufnehmen zu lassen.

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