dirigirt werden, dem geeignetsten Platze, weil die Kapsel hier ihrer straffen Beschaffen
heit wegen das Entgleiten des einmal fixirten Körpers am wenigsten gestattet. Hier
wurde der Körper in den drei ersten Fällen von den Fingern des Assistenten festge
halten, in dem letzten von mir selbst beobachteten dagegen sah man sich, weil der
Körper bei dem ersten Versuche des Annagelns entschlüpft war, nach einem andern
Hilfsmittel um. Man wählte hiezu einen Zinnspatel und drückte den Stiel desselben
um den oberen Abschnitt des Kniegelenkes herum, so dass die Gelenkmaus sich in
der Bursa extensorum befand und nicht nach Unten entwischen konnte. Ausserdem
wurde noch ein stumpfer Haken mit seiner Concavität um die innere und obere Seite
des Fremdkörpers gelegt. Derselbe sass also nun in der Bursa extensoram über dem
Condyl. fern, ext., oben, unten und innen durch die Vorrichtungen, aussen durch die
Kapselwand abgegrenzt. Die in der Sammlung aufbewahrten Stahlnägel haben eine
Länge von 7 Cm. und cylindrische Form mit dem Durchmesser von 1,5 Mm. Die
Spitze ist nach Art eines Troicart’s dreikantig und kurz, das Köpfchen halbkugelich-
Der Nagel wurde nun in der Mitte des Fremdkörpers aufgesetzt und durch einige
kurze, aber ergiebige Schläge mittelst eines keinen Bleihammers durch bedeckende
Weichtbeile und Fremdkörper 1,5 Cm. tief in den Knochen hineingetrieben. Es lässt
dieses nämlich der Nagel noch sehr deutlich erkennen, ebenso dass er 4 Cm. tief m
Gelenkmaus und Weichtheilen gesessen. Mithin waren nur 1,5 Cm. der freien Luit
exponirt. Ueber das Knie wird zum Schutze des hervorsehenden Nagels ein Draht
gitter gestellt. Am lOten Tage wurde der Nagel mit einer Zange gefasst und durch
Zug mit Rotation herausbefördert. Die Stichöffnung wurde alsdann geschlossen und die
Nachbehandlung nach allgemeinen Regeln geleitet. —
Fragen wir uns, woher es wohl kommen mochte, dass die Dieffen b ach’sehe
Methode des Annagelns so lange Jahre brach gelegen, so liegt die Annahme nahe,
dass einmal der Eingriff nicht nur in das Gelenk, sondern auch in den Knochen als
ein doppelt schwerer betrachtet, und zweitens vielleicht auch ein Zerspringen des
Fremdkörpers gefürchtet wurde. Letzteres wird gewiss nur selten passiren, und was
ersteres Bedenken anbetrifft, so sehn wir ja tagtäglich an verschluckten Nadeln, abge
brochenen Messerspitzen, eingeheilten Bleikugeln etc., welcher merkwürdigen und von
der Natur so zweckmässig eingerichteten Toleranz gegen feste Metalle die meisten
Gewebe des Organismus fähig sind.
Schliesslich möchte ich mir noch einige Vermuthungen über das Zustande
kommen der Verwachsungen erlauben. Dass dieselben entzündlicher Natur sind, dar
über kann wohl kein Zweifel obwalten, nur fragt es sich, ob sie zwischen Fremd
körper und den Weichtheilen der Gelenkhöhle allein zu Stande kommen, oder ob
auch Knochen und Periost dabei betheiligt sind (ln der Literatur finde ich über diesen
Punkt gar nichts, sowie überhaupt die ganze Diffenbach’sche Methode sehr stiefmütter
lich nur mit ein paar Zeilen abgehandelt wird).

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