Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

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Am 26. Juni wird der grössere Gelenkkörper durch einen subcutanen Einschnitt 
durch die Kapsel in’s Unterhautzellgewebe gedrückt: der Gelenkkörper von Unten her 
mit zwei Fingern fixirt, die Haut von Oben verschoben, überdies noch über dein 
Fremdkörper selbst in einer langen Falte erhoben und mit einem schmalen Tenotom 
eingegangen, um denselben subcutan aus seiner Höhle zu entfernen. Es waren ver 
schiedene Schnitte nöthig, um ihn endlich in’s Unterhautzellgewebe hineinpressen zu 
können, wo er sofort unbeweglich sitzen blieb. Seine Oberfläche war knochenhart 
und rauh. Das Bein wird mit einer Flanellbinde eingewickelt, um Knie und Fremd 
körper zu fixiren. Patient in’s Bett gelegt. 
27/6. Keine Schmerzen noch Reaction aufgetreten. 
2. Juli. Gelenkkörper excidirt: Direkt auf denselben eingeschnitten, in ganzer 
Länge freigelegt und mit Hilfe eines starken, scharfen Hakens hervorgeholt. Wunde 
mittelst Collodiumstreifen vereinigt. — Der Gelenkkörper hat die Grösse einer etwas 
plattgedrückten Lambertsnuss, ist auf der einen Seite ganz glatt und von Knorpel- 
structur, auf der andern rauh, höckrig und knochenähnlich. Beide Schichten sind scharf 
von einander getrennt. 
5./7, Collodiumstreifen entfernt. Wundränder klaffen auseinander. Neue 
Collodiumstreifen. 
7./7. Wunde per primam intentionem geheilt. 
10/7. Patient steht auf, klagt über gar keinen Schmerz. 
11./7. Patient wird geheilt entlassen.— 
0981;. 
Die Fcstnagclnng des Fremdkörpers naclt Dieffentoacb Nach einer Mittheilung 
von Bertram (1848) hat Dieffenbach angerathen, den Gelenkkörper gegen eine 
passende Stelle des Condylus internus oder externus femoris zu drängen, hier von 
einem Gehilfen fixiren zu lassen, dann einen langen von der Spitze an rasch dicker 
werdenden Stahlnagel durch den fremden Körper hindurch bis in den Knorren des 
Oberschenkels zu schlagen und nun bei unbeweglichem und gestrecktem Knie den 
selben 4—6 Tage stecken zu lassen und dann wieder zu entfernen. Es sollte dann 
eine hinreichend feste Adhäsion entstanden sein, ln zwei Fällen will D i effenb ach 
mit dieser Behandlung vollkommen glücklich gewesen sein, in einem dritten jedoch 
trat heftige Entzündung und Eitersenkung in die benachbarten Theile ein. Die Heilung 
wurde dadurch lange verzögert. Endlich erfolgte sie; die Gelenkmaus war später 
nicht mehr zu finden, wahrscheinlich war sie resorbirt; das Gelenk blieb etwas steif 
Alquie wandte 1849 dasselbe Verfahren an; er nagelte den Körper mit zwei 
Acupunctur-Nadeln an den obersten Theil des Condyl. oss. femoris extern, fest. Es 
erfolgte Anschwellung, allein trotzdem die Nadeln 8 Tage lang stecken geblieben 
waren, blieb der Körper beweglich. — Sy me hielt 1848 einen Gelenkkörper drei 
Wochen lang mit einer Nadel, aber ohne Erfolg fest.
	        

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