Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

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gebenen Fälle sind es aber, an denen sieh die vom genialen Dieffenbach vorge- 
Svhlagene und von Herrn Professor Esmarch in hiesiger Klinik ausgeführte Methode 
so recht bewährt, wie ich weiter unten an einigen Krankengeschichten nachweisen werde. 
Meine Schlussfolgerung über die subcutane Methode ist, dass sie allerdings der 
direkten bei weitem vorzuziehn sei, dass sie aber dennoch 1) ebenfalls sehr gefährliche 
Folgen haben könne, 2) keine Bürgschaft für das Gelingen der Operation gebe, 
3) besonders schwierig bei gestielten Körpern sei, und 4) nicht anwendbar, wenn es 
sich um Körper von weicher, fleischähnlicher Consistenz handelt. 
Das unter 2) angeführte Bedenken hat sich auch an der hiesigen chirurgischen 
Klinik geltend gemacht, denn unter 5 Herrn Professor Esmarch zur Operation 
kommenden Fällen von mures articulares des Kniegelenkes ist die subcutane Methode 
oach Goyrand nur ein einziges Mal geglückt. Die übrigen Fremdkörper wurden nach 
Ablauf jeder Reaction mit bestem Erfolge festgenagelt. Die Beschreibung dieses ein- 
z Hnen Falles lasse ich nun so, wie ich sie den klinischen Journalen entnommen habe, folgen: 
Hans Jacob Petersen, Dienstknecht aus Klein-Solt, 30 Jahr alt. 
Anamnese: Patient giebt an, schon seit 10 Jahren an Schwäche und zeit 
weiligen Schmerzen im rechten Kniegelenk gelitten zu haben, ein Umstand, der ihm 
auch Freiheit vom Militairdienst verschaffte. Eine unmittelbare Ursache hiefür weiss 
er nicht anzugeben, auch weiss er sich nicht recht zu entsinnen, wie der ganze Krank- 
heitsprocess angefangen, nur will er schon als Kind an Schmerzen im Kniegelenk 
Sditten und etwa vor 10 Jahren ein Knarren in demselben wahrgenommen haben. 
Kr schleppte sich mit diesem Zustand weiter bis zum Herbst 1866. Im letzten Jahre 
konnte er die Extremität nicht mehr normal extendiren und ging immer mit etwas 
floctirtem Knie. Trotzdem hat er während dieser ganzen Zeit immer im Wasser 
gearbeitet, auch namentlich beim Kartoffelpflanzen viel aut den Knien gelegen. Im 
kerbst 1866 nahmen die Schmerzen an Intensität und Dauer zu, auch bemerkte Patient 
Mehrere Körperchen von ziemlich harter Beschaffenheit, die er im Kniegelenk ver 
schieben konnte. Da der Gebrauch der Extremität immer mehr behindert wurde und 
8l ch namentlich von Zeit zu Zeit Schwellungen des Gelenkes einstellten, kam Patient 
a,fl 24. Juni 1867 in s Hospital, und es fand sich folgender 
Status praesens: Patient hält die Extremität in etwas flectirter Stellung. Es 
bilden sich mehrere mures articulares. Ein bedeutenderer von den Gelenkkörpern hat 
bie Grösse einer Saubohne, ausserdem lassen sich noch einige kleinere nachweisen. 
Kor grössere lässt sich nicht im ganzen Kniegelenk verschieben und wird dem Kranken 
ain schmerzhaftesten, wenn er am Condylus internus sich zwischen Kapsel und Knochen 
ei nklen»nt. Er sitzt meist an der äusseren Seite der Quadriceps-Sehne, auch geht er 
wvohl öfter unter dieselbe. In den abhängigeren Thcil der Kapsel lässt er sich nicht 
^hieben. Die kleineren Körper, deren Zahl sich nicht genau feststellen lässt, sind 
<Wh das ganze Gelenk verschiebbar. 
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