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Vesicatoren, Cauterien, Moxen, Haarseilen etc. ist heutzutage glücklicher Weise ziemlich
obsolet geworden. Vor Allem ist hier, wie bei der chronischen Gelenkentzündung,
die Compression zu empfehlen. Oft genügt eine gewöhnliche Rollbinde, doch muss
man stets für einen gleichmässigen Druck sorgen. Da es keineswegs immer Absicht
die Bewegung des Gelenkes ganz zu verhindern, so bedarf es auch nicht immer
der erstarrenden Kleister- und Gypsverbände. Am vollständigsten wird die beabsich
tigte gleichmässige Compression durch Gummibinden geleistet, welche um das Fenster
eines Gypsverbandes gelegt werden. Dasselbe lässt die ganze vordere Hälfte des
Gelenkes frei, während die Beugeseite des Gelenkes in einer hölzernen Hohlschiene
ruht, um welche der Gypsverband gelegt ist. Es ist dies ein Verfahren, welches an
der hiesigen chirurgischen Klinik von Herrn Professor Esmarch sehr häufig und mit
bestem Erfolge geübt wird. — So lange die Auswüchse bestehn sind bei anhaltendem
Gebrauch des Gelenkes Recidiven nicht wohl zu vermeiden, und der Erguss kann
dann häufig nicht mehr zum Schwinden gebracht werden, ln Fällen, wo die Patienten
beim Liegen sich wohl befinden, bei Bewegungen aber Schmerz und Temperatur
erhöhung bemerkbar wird, darf das Gehn nur bei steif und durch geschickte Bandage
in sehr geringer Beugung gehaltenem Gelenke unternommen werden.
Beim Bestehn eines freien Körpers im Gelenk ist, falls die Operation aus
ir gend einem Grunde contraindicirt ist, solche Vorrichtungen nur dann zu gebrauchen,
Wenn er durch starke Beweglichkeit den Gebrauch des Gliedes in hohem Grade be
einträchtigt. Das Gelenk muss dabei entweder vollkommen gestreckt oder in sehr
geringer Beugung erhalten werden, je nachdem der b remdkörper in dieser oder jener
i j age leichter unbeweglich bleibt.
Die Exstirpation oder Fixation eines Gelenkkörpers ist indicirt, wenn er wegen
häufiger Ortsveränderung grosse Beschwerden macht, das Gelenk sich in keinem
fteizzustande befindet, keine Flüssigkeit angesammelt ist, der bewegliche Körper deut
lich gefühlt wird und an einer Stelle liegt oder an eine solche gebracht werden
kann, die eine leichte Zugänglichkeit zur Gelenkhöle gestattet, und wenn die Fixirung
des Gelenkes durch Bandagen zur Beseitigung der Beschwerden nicht genügt. Es
uiuss der Körper neben der Kniescheibe, oder an den Seitengegenden des Gelenkes
gefunden werden. Werden die angegebenen indicirenden Momente nicht berücksich
tigt, und namentlich die Operation beim Bestehn eines Ergusses, oder eines Reizungs-
Zustandes unternommen, so hat man eine heftige, nicht selten tödtliehe Entzündung
zu gewärtigen. Diese kann auch gefährlich werden, wenn man nebst dem beweg
lichen Körper noch dendritische Vegetationen, die meist blutreich sind und sich leicht
entzünden, durch den Tastsinn entdeckt. Wird aber die Operation mit Schonung
und Zartheit, und auf eine Weise geübt, dass keine Luft auf die Gelenkhöhle ein
wirkt, legt man nach der Operation das Glied hoch, über dasselbe trockne Eisum-
Schläge, beschränkt man durch einen Gypsverband oder passende Ruheschienen jede

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