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kommenden Körpern dagegen ist eine allmähliche Vergrösserung wohl nicht abzu-
kiugnen. Ich gebrauche hier absichtlich nicht das Wort „Wachsthum,“ da auch über
diesen eigentlich nur theoretisches Interesse darbietenden Gegenstand vielfach ge
stritten worden. In Bezug auf die Knorpelsubstanz spricht sich Weber sehr treffend
folgendermaassen aus: „Zunächst muss man im Auge behalten, dass diese Körper,
sobald sie freigeworden sind, nie absterben, noch necrotisch als fremde Körper aus-
gestossen werden. Es liegt darin ein Beweis ihrer selbstständigen Forternährung,
Welche gerade den Knorpeln in ähnlicher Weise wie pflanzlichen Gebilden zukommt
durch Aufnahme von Ernährungsmaterial aus der umgebenden Flüssigkeit und von
^ e lle zu Zelle.“ Ausserdem scheint mir noch der Umstand, dass die freien Körper
fast immer grösser gefunden werden, als die adhärenten, für diese Auffassung
Zu sprechen.
II. Symptomatologie und Diagnose.
Was Symptomatologie und Diagnose der Gelenkkörper anlangt, so ist es
klinisch von der grössten Wichtigkeit, zu unterscheiden, ob sich ein fremder Körper
111 einem relativ gesunden, oder in einem mehr oder weniger schwer erkrankten
Gelenke entwickelt hat; denn in dem ersten halle ist sein Vorhandensein von sehr
Wesentlicher, im zweiten nur von nebensächlicher Bedeutung.
Gelenkmäuse in relativ gesunden Gelenken kommen meist als solitaire Bil
dungen, seltner zu zweien oder dreien vor. Als ätiologisches Moment wird von
den Kranken sehr häufig ein traumatischer Anlass, namentlich eine Contusion des
Gelenkes angegeben. Und dieses, sagt Volkmann, hat sehr viel für sich, da gerade
traumatische, auf kleine Heerde begrenzte Entzündungen besonders gerne in Knochen-
Und Knorpelbildung ausgehn (infiammatio ossificans). In vielen andern Fällen dagegen
wissen die Träger von Gelenkkörpern gar keinen Grund für die Entstehungsweise
derselben anzugeben, oder ergehn sich in den abenteuerlichsten Vermuthungen,
^'rd der Körp er überhaupt erst bei der ersten Attaque und alsdann schon ziemlich
v °hnninös entdeckt, so muss man annehmen, dass derselbe schon ziemlich lange,
über gestielt oder in einem Recessus der Synovialis eingebettet bestanden habe und
später zufälliger Weise durch eine ergiebigere Bewegung im Gelenke entweder abge-
*' l ssen oder von seinem ursprünglichen, unschädlichen Platze verdrängt sei. Der
Wesentlichste Charakter der Gelenkkörper ist ihre grosse Beweglichkeit, so dass sie
häufig den Platz wechseln, wobei sie sich zuweilen einklemmen und eben dadurch in
tr iehr oder weniger unangenehmer Weise zu erkennen geben. Die festsitzenden in
Tiefe des Gelenkes ruhig verharrenden Körper machen sich erst bei bedeutender
Grösse bemerkbar und können natürlich nur vermuthet, nicht diagnosticirt werden.
Gie Diagnose ist nur dann möglich, wenn der freie oder langgestielte Körper in die

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