dass dieses in pathologischen Zuständen stattfinde. Wird dieses zugegeben, so ent
steht natürlich die schon vorweg beantwortete Frage, was aus diesen ahgestossenen
Epithezellen werde?
Aus dem Gesagten ersehn wir, dass die Ansichten der bedeutendsten Forscher
über diesen Gegenstand ziemlich weit auseinander gehen, kurz, dass die Genesis der
Auswüchse in den Gelenken noch nicht in’s Klare gebracht ist. Gleichwohl stimmen
Alle darin ziemlich überein, dass die fremden Körper durch eine und dieselbe Ur
sache, nämlich durch einen entzündlichen Process erzeugt werden, und nur die allzu
starke Betonung der einen oder der andern Ansicht kann leicht einen gewissen Grad
von Einseitigkeit hervorrufen. Deshalb, glauben wir, scheint es gerathen, alle diese
Möglichkeiten im Auge zu halten und darnach im gegebenen Falle das Urtheil einzu
richten. Uns scheint freilich, a priori betrachtet, die von Rokitansky aufgestellte
Ansicht in der grösseren Anzahl von Fällen die richtige zu sein, namentlich da, wo
es sich um solitäre, freie, in einem sonst scheinbar normalen Gelenke befindliche
Fremdkörper handelt
Eine ungleich leichter zu beantwortende Frage ist die nach der Beschaffenheit
und dem endlichen Schicksal des die Gelenkkörper anfangs mit der Gelenkwandung
verbindenden Stieles. Nach Hartmann (Die freien Gelenkkörper in den Höhlen der
serösen Säcke. Tübingen 1865) wird der Stiel einer solchen noch im Wachsen
begriffenen Neubildung sicher in den meisten Fällen von Blutgefässen durchzogen
sein. Er stellt sich vor, dass in dem Maasse, wie der Körper wächst, durch seine
immer beträchtlicher werdende Schwere und durch Bewegungen und Zerrungen im
Gelenke des ernährende Gefäss immer mehr verlängert und an seinem Lumen solange
geschmälert wird, bis dasselbe vollständig obliterirt ist. Hierauf schrumpft der Stiel
und wird endlich bei einer ergiebigeren Action des Gelenkes abgerissen. Nun kann
der emancipate Körper seine Irrfahrten antreten, welche nicht nur Patienten, sondern
oft genug auch Operateure in Verzweiflung setzen, zumal wenn kurz vor einer ange
setzten Operation, ja unter den Fingern des Chirurgen die gefangen geglaubte Gelenk-
maus entschlüpft und sich für einige Zeit in irgend einem unzugänglichen Versteck
des Synovialsackes incognito aufhält.
Was die spätere Veränderung der freien Körper anlangt, so erleiden sie, wenn
eine grössere Anzahl derselben vorhanden ist, durch gegenseitiges Aneinanderreiben
und Drücken eine gewisse Facettirung, auch nehmen sie jene oblonge, flachgedrückte
Form an, die man mit einem Melonenkern vergleichen kann (Hartmann). Letzterer
Umstand scheint mir das Herausdrücken der Körper durch die Kapsel bei der Goy-
rand’schen Operationsmethode besonders schwierig zu machen. — Das Wachsthum
der Gelenkkörper nach ihrem Freiwerden scheint in einzelnen Fällen eine Hemmung»
in seltenem eine Rückbildung, Schrumpfung, oder Verkleinerung durch Resorption
zu erfahren; bei den meisten solitär und ohne complieirende Gelenkerkrankung vor-

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