Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

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VV as die Function betrifft, so geschieht sie mit einem .gewöhnlichen Hydrocele* 
Trokar wobei man sorgfältig darauf achten muss, dass die Kanüle nicht herausschlüpft. 
Ist alle Flüssigkeit entleert, und der Sack, wenn die Flüssigkeit eitrig oder breiartig 
ist, mit Wasser ausgespült, so wird durchschnittlich 1 Unze von der Injectionsflüssigkeit 
durch die Cantile in die Höhle gespritzt und circa 10 Minuten darin gelassen. Ist die 
Flüssigkeit wieder herausgelassen, so wird die Stichöffnung verklebt und ein loser 
Druckverband angelegt, und der Kranke muss einige Tage das Bett hüten. Fieber 
erscheinungen treten dann fast gar nicht auf; nur zuweilen verspüren die Kranken 
einen leisen Schmerz in der Geschwulst. In der Regel findet in den ersten Tagen 
nach der Operation eine Wiederansammlung von Flüssigkeit statt, die Cyste erreicht 
wieder ihre frühere Grösse oder noch darüber, bleibt dann stationär oder verkleinert 
sich allmählich. Erfolgt nach der Operation nicht im Laufe eines halben Jahres ein 
Zusammenschrumpfen der Cyste, so wird die Operation wiederholt. Selbst wenn der 
Inhalt breiartig ist, wird Heilung erreicht, wie es in dem 1. Fall sich zeigt. Die 
glücklichen Erfolge welche durch diese Behandlung von Herrn Geh.-Rath Esmarch er 
reicht wurden, mögen dazu beitragen, dass dieses Verfahren als das vorzüglichste, 
ungefährlichste und zulässigste mehr eingeführt werde. Die Krankengeschichten, welche 
mir durch die Güte des Herrn Geh.-Rath Esmarch zur Verfügung gestellt wurden, 
sind folgende; 
JV? I. Hinrich W ulff, Bauer aus Hohenfelde, 23. Jahr alt. Aufgenommen 1/5. 55. 
Im 9. Jahr entwickelte sich, ein Jahr nach dem Beginn eines Kopfausschlags, 
eine sogenannte Drüse an der linken Unterkiefergegend, welche schmerzlos, von nor 
maler Haut bedeckt gewesen sein und sich allmälich vergrössert haben soll. Die Ge 
schwulst sitzt jetzt am linken horizontalen Unterkieferast in der Gegend der glandula 
submaxillaris, ist fast taubeneigross, gleichmässig oval, prall anzufühlen, nach allen 
Seiten, besonders aber nach aussen und innen verschiebbar, von normaler Haut be 
deckt, auf Druck schmerzlos. Die Längenaxe der Geschwulst liegt dem linken horizon 
talen Unterkieferast parallel; der Boden der Mundhöhle steht an der linken Seite 
etwas höher, als an der Rechten. Wird die Geschwulst fixirt, so fühlt man zuweilen 
fluctuation. Schlucken, Sprechen u. s. w. wird durch die Geschwulst nicht erschwert 
Die Art. max. ext. kommt unter der Geschwulst hervor, Allgemeinbefinden des Kran 
ken gut, Verdauung normal, Brustorgane gesund, Harn ohne Ei weis, Haut normal. 
Vs. Nach einer Function mit einem mittelweiten Trokart wurden circa 3 Unzen einer 
weissgelben Masse, welche eine breiige Consistenz besass und unter dem Mikroskop 
Epithelialzellen und Cholestearin zeigte, langsam durch die Kanüle herausgedrückt 
und hernach die Höhle durch Ausspritzen mit Wasser gereinigt. Alsdann wurde 
die Lugol sehe Jodflüssigkeit eingespritzt, welche circa 5 Minuten darin belassen 
wurde und massige Schmerzen veranlasste. Nach Entleerung der Jodflüssigkeit 
wurde ein leichter Druckverband angelegt.
	        

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