Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

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Die unbequeme Stellung des Kopfs und die Entstellung, in seltenen Fällen 
die durch die Geschwulst bedingte Störung im Kreislauf, Athmen und Schlingen nöthi- 
gen den Kranken, sich operiren zu lassen. Innerliche Darreichung von Medicamenten 
sowie äusserliche Anwendung derselben sind ohne Erfolg. Die einfache Punction, 
welche am meisten verletzt, ist nur als Palliativmittel zu betrachten, indem über kurz 
oder lang eine Wiederansamrnlung der Flüssigkeit stattzufinden pflegt. Alle Mittel, 
welche bestimmt sind, die Wiederansammlung der Flüssigkeit zu verhindern, wie die 
Compression, die resolvirenden Mittel, innerlich und äusserlich gebraucht, erweisen 
sich als nutzlos in der grossen Mehrzahl der Fälle. Das Hindurchlegen eines Sela- 
ceurns setzt den Patienten grossen Gefahren aus. Der Balg entzündet sich, fängt an 
zu eitern, das umgebende Bindegewebe kann sich infiltriren, Eitersenkungen können 
entstehen. Durch die Eiterverhaltung sah Diffenbach alle seine Operirten sehr krank 
werden; Blumhardt sah in mehreren Fällen durch Pyämie und Erstickung den Tod 
eintreten, und Stromeyer fand bei den Versuchen, die er mit dem Setaceum machte, 
ungünstige Erfolge und räth die grösste Aufmerksamkeit an, um üble Ereignisse zu 
verhindern. Mitunter reicht bei der Dicke der Cystenwände das Setaceum nicht hin, 
eine so bedeutende Entzündung und Eiterung zu erregen, dass die Wände zerstört 
werden, und die Höhle sich mit Granulationen füllt, und man muss zu einem andern 
Verfahren greifen. Beim Einlegen eines elastischen Katheters, einer Kanüle oder 
Wieke, wobei man denselben Zweck vor Augen hat, wie beim Haarseil, sind die Ge 
fahren ungefähr dieselben, ebenso zweifelhaft auch die Radicalheilung; nur hat diese 
Methode den Vorzug, dass man zu gleicher Zeit eine Jodinjection vornehmen kann. 
Die Cauterisation eines kleinen Theils der vordem Cystenwand, wodurch eine kleine 
OefFnung erzeugt wird, sowie die lineäre Cauterisation bewirken schwer vollständige 
Entleerung des gebildeten Eiters und gestatten den Luftzutritt, wodurch Eiterzer 
setzung hervorgerufen wird. Ueberdies ist die Heilung zweifelhaft. Wird die ganze 
Cystenwand durch Cauterisation zerstört und ausserdem die Innenwand der Cyste geätzt, 
so ist die grosse Gefahr vorhanden, dass bedeutende Gefässe angeätzt werden und 
tödtliche Blutung entsteht. Die subcutane Diseision, sowie das Abbinden der Cyste 
ist äusserst selten angewandt und hat sich in den meisten Fällen nicht bewährt. Bei 
der Incision tritt oft ein ziemlich heftiges Entzündungsfieber auf. Allerdings hat diese 
Methode glückliche Erfolge aufzuweisen, aber es tritt eine langdauernde und anfäng 
lich meistens schlechte Eiterung auf, wodurch dem Kranken viele Gefahren erwachsen, 
und schliesslich lässt die vollständige Heilung lange auf sich warten. Die gemachte 
OefFnung hat ausserdem die Tendenz sich durch Granulationen zu verschliessen, was 
verhindert werden muss, und die nach der vollständigen Heilung zurückbleibende, 
tiefe, strahlige Narbe ist eine nicht unerhebliche Entstellung, zumal wenn die Wunde 
ziemlich gross war. Die Vortheile, welche die Excision eines Stücks der Cystenwand 
bietet, sind ziemlich illusorisch und wiegen keinenfalls die bedeutenderen Gefahren
	        

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