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▼orderen Brustwand bei der Diagnose eines Pleuraexsudats vorfände, eine flächenhafte
Verwachsung mit der betreffenden Mediastinal- und vielleicht der vorderen Thorax-
Wand schon aunehmen — ein Zustand, der aber in den meisten Fällen von exsuda
tiver Pleuritis nicht beobachtet wird, während dagegen ein grosser an der hintern
Fläche der Lunge sich entwickelnder Echinococcensack die letztere stets nach vorne
treiben müsste.
Ein weiterer Punkt, der allerdings von grossem Einfluss auf die richtige Er-
kenntniss der Krankheitsursache mir zu sein scheint, möchte hier zAveckmässig Er
wähnung finden. Ich meine nämlich die Anwendung eines Verfahrens, welches so
°ft jetzt in der Medicin angewandt "wird dann, wenn die blosse Betrachtung und Be-
hihlung der erkrankten Organe uns im Stich zu lassen droht, die Anwendung des
Fxplorativtroikarts. Denn gesetzt, es läge ein Fall vor wie der unserige, wo man.
durch eine kurz zuvor gemachte Erfahrung von Eehinococcen argwöhnisch geworden,
Wo dieser Argwohn durch das lange Bestehen des betreffenden Leidens vermehrt
wäre und man würde sieh jetzt mittelst des Troikarts von der Flüssigkeit verschaffen,
Was ju wohl leicht sich ausführen liesse, so müsste doch durch die mikroskopische
u, »d chemische Analyse d.e Diagnose fast unfehlbar auf die' wirkliche Krankheits
ursache sich stellen lassen. Allerdings wäre die Sache am einfachsten, wenn man
Fei der explorative!. Punktion das Glück hätte, eine kleine Blase herauszubekommen}
jedoch auch ohne solche ist der Inhalt der Blasen der T. echinoc. morphologisch und
c Wtseh so sehr von der serösen Flüssigkeit des Pleuraexsudats verschieden, dass ein
Irrthum nicht wohl zu begehen wäre. Denn bekanntlich, ausser den etwaigen zu
findenden Hakenkränzen junger Bandwüfiner in der Blasenflüssigkeit und den fast nie
fehlenden, wenn auch einzelnen Epithelzellen und Fibrinflocken in der serösen Flüs
sigkeit, enthält die Flüssigkeit der genannten Blasen kein Eiweis, nur etwa 15 pM.
feste Bestandteile und. was höchst characteristisch, unter diesen gegen 3 pM. bcrn-
st* insaures Natron.
Welch’ grossen Einfluss die richtige Diagnose auf die Therapie ausüben müsste,
l fegt auf der Hand , da die Heilung in solchem Fall wie der unserige unbedingt eine
Fistel und die Ausräumung des Pleurasacks von allen Blasen verlangen würde, wäh
rend ein Exsudat eine expectatirende Behandlung oder höchstens eine partielle Enbr
fecrung der serösen Flüssigkeit durch Function anräth, also theils ein ganz entgegen
gesetztes, theils sehr verschiedenes Verfahren.
Hier am Schlüsse möge es noch vergönnt sein, mit wenigen Worten der Hei
lung unserer Patientin, wie sie bis jet'zt erfolgt ist, zu gedenken und auch hieran kurz
*dne allgemeine Betrachtung zu knüpfen.
Also die Patientin erfreut sich eines ihrem früheren Zustand gegenüber nahezu
Flöhend zu nennenden Wohlbefindens; sie macht Spaziergänge von einer Stunde und
darüber, ohne von Kurzathmigkeit befallen zu werden; ihr Körpergewicht nimmt stetig
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