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können, ehe ihr Leben beendet wäre, wenn nicht die rettende Operation sie von de*»
langsam tödtenden Gaste befreit hätte.
Weniger diagnostischen Werth möchte ein anderer Punkt haben. Wir wissen
ja nämlich aus der Anamnese, dass Anna K. seit dem Sommer 1867 an Schmerzen,
als bohrend oder reissend besehrieben, im Rücken und zwar in der Gegend des un
teren Winkels der Skapula gelitten, welche allmählich und gelinde auftretend beson
ders nach dem Essen, dann aber auch mit der Zeit beständig so an Intensität zu*
nahmen, dass die Kranke ihren Körper nicht gerade zu halten, ja nicht einmal ohne
Schmerzen zu liegen vermochte. Hier ist es nun äusserst interessant für mich gewe
sen, zu bemerken, wie in dem oben citirten, von Mal o et beschriebenen Fall, wo bei
“einem Soldaten an der Concavität beider Lungen, also dem Zwerchfell gegenüber, j e
ein Echinococcensack von 4—6 Zoll Durchmesser in der Leiche gefunden wurde, wie
hier zwei Jahre lang über ganz ähnliche Schmerzen geklagt, so dass der Patient
weder auf dem Rücken noch auf der Seite zu liegen vermochte. Solche Schmerzen
scheinen doch zweifellos etwas Specifisches zu haben, wodurch sie nöthigenfalls von
denjenigen bei einem Pleuraexsudat zu unterscheiden sind; denn, abgesehen von der
langen Dauer, wie sie beim letzteren Zustand sich nicht zu finden pflegt, die grosse
Heftigkeit ist unverkennbar charakteristisch. Eine Erklärung ist wohl nicht sicher zu
geben : Es ist ja möglich, dass die Schmerzen durch einen stetig zunehmenden Druck
auf die Endverzweigungen der Pleuranerven entstehen, wenn wir ausser Acht lassen
das etwaige pleuritische Stechen durch Reizung der aneinander gepressten Blätter,
also der localen Pleuritis; oder dass vielleicht die Zweige des N phrenicus in der
durch die Geschwulst gedrückten und durch die Bewegungen gezerrten Zwerchfells'
pleura eine Rolle dabei spielen. Von geringerer Bedeutung für eine Differential-
diagnose, aber gegebenen Falls der Beachtung werth möchte folgender Punkt sein :
Wir lesen in der Krankengeschiehe an der Stelle, wo der physikalische Status bei der
Aufnahme der Kranken verzeichnet ist, dass bei völlig leerem Schall und dem Man
gel jeglicher Athmungsgeräuscbe über der rechten Thoraxhälfte nur eine Stelle zur
Seite des Herzens rechts vom Sternalrand stark hauchendes Geräusch darbot; zugleich
findet sich hierbei die wohl zweifellos richtige Bemerkung, dass nach besagter Gegend
die rechte Lunge zusammengedrängt sein musste. Bringen wir hiemit in Zusammen
hang den Umstand, dass die Patientin die beginnenden Schmerzen am Rücken ver
spürte, so ist allerdings die Annahme gerechtfertigt, dass die Echinoeoccengeschwul^
in der hinteren Wand, sei es nun der Pulmonal-, sei es der Costalpleura, was sich
gar nicht bestimmen lässt, entstanden sei, nach unten und oben sich ausgedehnt und
so die Lunge vor sich her, deren Elasticitätszug nach der Wurzel entgegen, an di e
andere Rippenwand gedrängt habe.
Eine solche Verdrängung ist natürlich durch ein Pleuraexsudat nicht möglich
und man musste, wenn man dieselbe Erscheinung von hauchendem Athmen an der

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