langer Zeit gering und durchaus ohne üblen Geruch; die Kranke selbst ist völlig
fieberlos. Das Körpergewicht betrug am 2. IV 28,845, am 2. V. 40,370, am 26 V.
40,580 Kilogr. Dieses ist also die Entwicklung der Krankheit, ihre Erscheinungen,
die Operation und der weitere Verlauf, der voraussichtlich zur Heilung führen wird.
Es wäre nun die Frage, ob sich aus der Krankengeschichte nicht einzelne Punkte
entnehmen Hessen, deren Beachtung und aufmerksame Berücksichtigung gegebenen
Palls für eine richtige Diagnose den Weg bahnen könnte, obwohl bei oberflächlicher
Betrachtung wenigstens in diesem Falle eine Differentialdiaguose zwischen einem
Pleuraexsudat und einem Echinococcussack in der Pleurti so schwierig oder ganz un
möglich zu sein scheint. Und in der That glaube ich einige Punkte gefunden zu
haben, welche dieser interessanten Krankengeschichte noch ein um so grösseres In
teresse verleihen und die wohl werth sind, dass man einige Betrachtungen an sie
knüpfe, sei es nun, dass sie mehr die Diagnose oder die Therapie oder endlich die
Prognose berühren.
Das allergrösste Gewicht, scheint mir, ist nun auf die Anamnese zu legen.
Penn wir wissen ja wohl, dass die so viel häufigeren Leberechinococcen oft jahrelang
können bestanden haben, ohne nur auffällige Erscheinungen von Seiten des Trägers
hervorzurufen, es müsste denn schon sein, dass ein an der Oberfläche gelegene! sol
cher Tumor das benachbarte Peritoneum in entzündliche Reizung versetzte; sonst
kann es mehrere Jahre währen, ehe die langsam wachsenden Blasen sich durch ein
Gefühl von Druck und Völle in der Lebergegend kund geben (Niemeyer). Nun
*ird das Wachsthum dieser Blasen in der Pleura ohne Zweifel eben so langsam sein,
jedoch wäre es möglich, selbst ohne Angaben über Beschwerden seitens des Wirthes
«heu wegen der günstigen physikalischen Verhältnisse der Lungen vielleicht durch
’-^fällige Percussion und Auskultation eine durch ihr lange Zeit andauerndes Statio
närbleiben oder nur geringes Wachsthum verdächtige Dämpfung zu linden, für welche
das Bild eines entzüdlichen Ergusses in die Pleurahöhle durchaus nicht passte. Fer
ner — und obige als zufällig hingestellte Entdeckung möchte wohl selten sein — die
Bunge ist ein Organ, dessen Compression durch eine grösser werdende Geschwulst
bald Klagen über Luftbeengung und Kurzathmigkeit hervorrufen musste, die in stetem
Wachsthum begriffen doch wieder .Jahre lang bestehen könnten, ehe das Leben der
Franken zu Grunde ginge.
Wenden wir das Gesagte auf unseren l*all an, so finden wir die Betrachtung
‘Vollständig gerechtfertigt. Drei .Jahre lang hatte unsere Patientin an mit der Zeit
zunehmender Kurzathmigkeit, welche so stark wurde im Laute von zwei Jahren, dass
s ie ihren Dienst nicht mehr verrichten konnte, gelitten, ehe sie aul die medicinische
Abtheilung in Kiel sich aufnehmen Hess, und doch wurde sie hier noch gegen drei
Mouate beobachtet und würde wohl weit länger noch ihre Kurzathmigkeit haben ertragen
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