Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

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Hasty (Wiener allg. med. Zeitschrift 5. 1862) theill folgenden Fall mit: Er wurde zu einer 
Kreissenden gerufen, die seit der zweiten Entbindung an einem Uterusvorfall litt, ln ihrer jetzigen 4ten 
Schwangerschaft hielt sie die Gebärmutter durch eine Bandage nur zum Theil in der Beckenhöhle zurück, 
So dass hei der Geburt das ganze Organ vorfiel, der Muttermund die Kniegegend erreichte. 
Die Geburt wurde wegen starker Umschnürung der schon abgestorbenen Frucht von Seiten des 
Uterus durch Verkleinerung des Kopfes und Extraction vollendet. Bemerkenswert!! ist es, dass die Frau 
zv vei Jahre später ohne ärztliche Hülfe ein gesundes Mädchen gebar, indem sie diesmal die schwangere 
Gebärmutter durch eine Binde in der Bauchhöhle zurückgehalten hatte. 
Zuletzt führe ich noch einen Fall au von Seidel (Organ f. d. ges. Heilkunde, 8. Jahrg , Heft 3, 
1859; vergleiche Monatsschrift für Geburtskunde, 15. Bd., beilin 1860, S. 316). Deiselbe fand bei einer 
heissenden Frau, die schon mehrmals leicht geboren halte, die total vorgefallene Gebärmutter, deren 
Länge 2 Fuss und deren Breite einen Fuss betragen mochte, zwischen den Schenkeln liegend. Der 
Muttermund war thalergross geöffnet, wulstig und hart, wie Holz, anzufühlen. In demselben fühlte man 
den vorliegenden Kopf. Es wurden zunächst warme Umschläge auf die Oberfläche der Gebärmutter 
a Pplicirt und ölige Einspritzungen in den Muttermund gemacht. Nach einigen Stunden war dadurch 
so viel Raum gewonnen, dass die Zange angewendet werden konnte. Während eine Frau den mit 
buchten Handtüchern umwickelten Uterus zurückhielt, entwickelte nun Seidel langsam und vorsichtig 
ehi todles Mädchen. Dabei enstanden aber mehrere Iv liefe Einrisse in den Multeimund. Die Nach- 
geburt wurde spontan ausgeslosseu. Vergebens wartete nun Seidel auf eine \ eikleineriing dei Gebär 
mutter. Selbst 12 Stunden nach der Geburt halle sie nur sehr wenig au Umfang abgenoinnien, weshalb 
die Reposition verschoben werden musste. Die Wöcbneiin staib am oten läge nach der Entbindung, 
°hne dass es möglich gewesen wäre, die noch immer grosse Gebäi mutter zu reponiren. 
\us den von mir aus der Literatur gesammelten ballen ist es ei sichtlich, dass der Vorfall 
der schwangeren Gebärmutter fast nur bei Mehrgebärenden und zwar bei solchen, die schon vor der 
Schwangerschaft an Prolapsus uteri litten, sich vorfindet. 
In vielen Fällen tritt im Verlaufe der Schwangerschaft eine Besserung des Prolapsus ein, und 
nur in wenigen Fällen erfolgt dann ein erneuerter Vorfall in den späteren Schwangerschaftsmonalen. 
Ries ereignete sich fast nur, wenn diese Schwangeren sich schwere körperliche Arbeiten aufgebürdet hatten. 
Die Entstehung des Prolapsus uteri gravidi wird ferner entschieden durch ein zu weites Becken 
begünstigt. 
Hueter sieht auch in einer zu grossen Weile der Schamspalte ein disponirendes Moment, und 
•Heilt als Beleg für diese Ansicht einen von ihm selbst beobachteten Fall mit. (Monatsschrift für Geburts- 
Kunde, 16. Bd., S. 186.) 
Betrachtet man den Geburtsverlauf bei den mit einem Vorfall des Uterus behafteten Schwangeren, 
s ° fällt es gleich in die Augen, dass es besonders ein Umstand ist, der dem Geburtshelfer die Hülfe- 
'cistung erschwert, nämlich die ausserordentlich langsam, ja in einigen Fällen gar nicht genügend, 
erfolgende Erweiterung des Os uteri. 
Die Ansichten über die Ursachen, wodurch dies ungünstige Verhallen des Muttermundes bedingt 
w ird, sind getheilt. Scanzoni (Lehrbuch der GeburtshUlfe, 3. Auflage, Wien 1865, S. 445) meint, dass 
4er Einfluss der atmosphärischen Luft, das beständige Reiben des prolabirlcn Organs an den Kleidungs- 
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