Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

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Der Arzt fand nun den Kopf des Kindes in II. Schädellage vom Orificum uleri fest umschlossen, 
und dabei ragte derselbe mit dem umschlingenden Mnltermunde 2—3" weit aus der Schamspalte hervor. 
Kräftige Wehen trieben den Kopf mit dem Uterus immer w'eiter heraus. 
Der Arzt (erkannte die dringende iNothwendigkeit, rasch einzugreifen, war aber zweifelhaft, 
°b er den Muttermund durch Incisionen erweitern oder die Zange anlegen sollte. 
Nach kurzer Ueberlegung wählte er den Forceps und legte diesen vorsichtig mit einiger Mühe an. 
Mit der linken Hand hielt er nun den prolabirten Uterus zurück, während er mit der rechten 
* an oSame und äusserst vorsichtige Traclionen machte, und so gelang es ihm, ein lebendes ausgetragenes 
Mädchen zu Tage zu fördern, und darauf auch die Placenta zu entfernen. 
Die Reposition liess sich nun leicht machen, allein die arme Frau konnte nicht im Wochenbette 
^* e genügende Ruhe beobachten, und der Prolapsus kehrte wieder, wurde aber nun durch ein von 
^ r ofessor Dr. Rreslau in Zürich (Monatsschrift für Geburtskunde, 18. ßd ., S. 251) angegebenes Hystero- 
Ph° r leicht zurückgehalten. 
Hohl (Lehrbuch der Geburtshülfe, S. 657) berichtet von zwei ähnlichen Fällen, wo es ihm nicht 
Swingen wollte, die Zangenlöffel zwischen Kopf und Muttermund einzubringen und wo er um das Ein- 
Sc lineiden, bei dem die gemachten Schnitte sich leicht bei der Geburt beträchtlich verlängern, zu vermeiden, 
erst einen dünnen Spatel einschob und mit diesem den Rand des Muttermundes vorsichtig vom Kopf 
äbzog, worauf er mit Leichtigkeit die Zange anlegen konnte. 
Dieser erfahrene Geburtshelfer spricht sich an dieser Stelle mit grosser Bestimmtheit dahin aus, 
dass ein zeitiger und vorsichtiger Gebrauch der Zange der Zerreissung am besten vorbeuge und Incisionen 
Unnöthig mache. 
Nendon (Canstatt Jahresbericht für 1863, S. 392) beschreibt einen Fall von Prolapsus uteri 
gravidi: 
Er betraf eine Mehrgebärende, die bei der ersten Entbindung einen Dammriss bekommen und 
seitdem an einem Prolapsus uteri gelitten halle. • 
Der Vorfall hatte sich in der jetzigen Schwangerschaft verringert. 
Bei der rechtzeitig erfolgenden Geburt trieben nun die Wehen den Uterus wieder vor, und lag 
derselbe als eine dunkelrolhe pralle Geschwulst von der Grösse eines Kindskopfes vor der Scheide und 
v ° r und unter dieser der ziemlich eröfTnele Muttermund, in ihm der Kopf. 
Das Wasser war abgeflossen. Der Fundus uteri stand etwa eine halbe Hand hoch Uber den 
Schambeinen. 
Während die Gebärmutter mit den Händen zurückgehalten wurde, eröffneten kräftige Wehen 
den Muttermund schnell und trieben das Kind rasch aus. 
Uterus und Scheide wurden darauf mit Leichtigkeit in die Genitalien zurückgebracht und die 
Placenta künstlich gelöst. 
Gardiner New-York Americ. Jouni. of med. scienc. 1846, October, p. 387) ward zu einer 
heissenden gerufen, die mit Prolapsus uteri behaftet war 
Der Uterus ragte 2—3" weit unter dem Schambogen hervor. G. versuchte nun die Entbindung, 
da der Kopf vorlag, mit einer kurzen Zange, was aber nicht gelang. 
Erst nachdem ein Einschnitt von 2V2 " in den Muttermund gemacht war, wurde ein lebendes 
Mädchen geboren; leicht folgte die Nachgeburt, und die Frau genass, blieb aber mit dem Vorfall behaftet. 
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