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G. Harveci (Exercitationes de Generatione animalium Anistelodami 1661, p. 612) berichtet,
wie folgt:
Eine arme Waschfrau lilt lange an einem Prolapsus uteri. Derselbe lag in der Grosse einer
Batist zwischen den Schenkeln und belästigte die Frau endlich so sehr, dass sie ärztlichen Rath bean
spruchte. Da sie denselben jedoch nicht recht befolgte, sondern dabei arbeitete, so wuchs unter grossen
Schmerzen der Prolapsus immer mehr, so dass er bis zu den Knieen herabragle. Am unteren Ende des
Prolapsus war eine klaffende Stelle, aus der Eiter abfloss, weshalb man an das Vorhandensein eines
^arcinoms und an die Entfernung desselben durch das Messer dachte.
Vorläufig wurden warme Umschläge angeordnel.
Schon in der nächsten Nacht wurde ein spannenlänger Foetus ausgestossen.
Vieweg (Annalen der Heilkunst, Jahrgang 1812, Altenburg, S 166) fand im August 1807 bei
einer Person einen vollkommenen Prolapsus uteri, der roth und angeschwollen, nicht empfindlich, auch
n icht heiss war. Der Prolapsus war nach Angabe der Kranken zwei Jahre alt. Es wurden vergebliche
Pepositionsversuche angeslellt. Nach einiger Zeit gelang zwar die Reposition, jedoch nur sehr unvoll
kommen, und da die Anwendung eines Pessariums nicht möglich war, wurde der vorgefallene Uterus
durch ein Suspensorium unterstützt. Nach einigen Wochen wurde ein 2 '/* Monate alter boetus ausge-
M °ssen. Die Reposition gelang nun leicht und nach derselben wurde ein Pessarium gelegt.
Wimmer (Medicin. Jahrbücher des Östr. Staates. 6. ßd., 3. St, Wien 1821, S. 47 ) theill folgenden
'Oteressanten Fall mit:
Am 28. Mai 1796 wurde eine Frau wegen Diarrhöe in das Krankenhaus gebracht und am
folgenden Tage eine grosse Geschwulst vor den Geschlechtsteilen derselben gefunden. Dieselbe wurde
Oach abwärts allmählich dünner, war lO'/s " lang und 6Va " breit. An der tiefsten Stelle derselben
f In der Geschwulst war eine Frucht, die ca. 6 Monate alt sein mochte, durchzufühlen. Die Frau
hatte 6 Kinder leicht geboren, immer schwer gearbeitet und litt seit 2 Jahren an Prolapsus uteri, der
a,, ch im Liegen nie ganz zurückging.
Am 1. Juni stellten sich neue Wehen ein.
Man konnte deutlich sehen, wie vom Fundus der Gebärmutter gegen den mittleren Theil der-
Se lben nach abwärts Contractionen slatlfanden.
Die sehr abgemagerte Gebärende, welche einen kleinen und frequenten Puls hatte, gebar nach
^Stunden eine 10 ' lange Frucht, die keine Lebenszeichen von sich gab. Der Uterus zog sich zusammen,
hlieb aber vor den Genitalien liegen. Die Nachgeburt wurde, da man eine Blutung fürchtete, erst am
•h'üten Tage nach der Geburt entfernt.
Am Gten Juni starb die Wöchnerin unter fortdauernder Diarrhöe.
I
Sectionsbefund:
Stark entzündeter Mastdarm, die Harnblase in das Becken hinabgezogen, die Multerbänder
Sospannt, die Vagina gleich einem weiten schlaffen Sacke, in der Mitte derselben gegen den ßecken-
ai| sgang der Grund der Gebärmutter zu fühlen.
Auch die Tuben und die Ovarien fanden sich in der Beckenhöhle.
Die Reposition der Gebärmutter war wegen der Grösse derselben nicht möglich. Am Halse der
Gebärmutter fanden sich mehrere Excoriationen. Der Muttermund war 1 " weit geöffnet.

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