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Ohne Mühe wurde die prolabirte Partie von Professor Lilzmann reponirt und ein Stopfliich
vor die Geburtstheile gelegt.
Im Laufe des Tages hörte der Wasserabfluss auf.
Der Uterus war nicht wieder vorgefallen, bei einer Stuhlentleerung hatte ihn die Wärterin
zurückgehalten.
Foetalpuls in normaler Stärke und Frequenz in der rechten Unterbauchgegend hörbar.
21. October. Kein Wasserabfluss, keine Wehen. Völliges Wohlbefinden.
22. October. In der Nacht war wieder etwas Wasser abgeflossen
6 Uhr Abends schwache seltene Wehen, Muttermund tief im Becken, links und hinten, reichlich
2 Cm. weit geöffnet, aber noch dick, hart und unnachgiebig; Cervicalkanal noch lang, Kopf vorliegend.
9 Uhr Abends stärkere Wehen, Muttermund mehr erweitert, Kopf steht noch hoch.
10 Uhr Abends Kopf in’s Becken eingetreten, ca. 1 Cm. von dem noch harten, wulstigen und
widerstrebenden Muttermunde entfernt; die Pfeilnaht im 2ten schiefen Durchmesser, die kleine Fontanelle
rechts und hinten.
11 Uhr Abends. Der Kopf steht quer im Becken, das Hinterhaupt tiefer. Allmählich näherte
sich unter kräftigen Wellen der Kopf dem äusseren Muttermunde, der sich jedoch nur langsam erweiterte
und verdünnte. Gegen 3 Uhr Morgens wurde der auf 5—6 Cm im Durchmesser erweiterte Muttermund
mit dem andringenden Kopfe in der Schamspalte sichtbar und hier während der Wehen mit den Fingern
zurückgehalten, indess verging noch eine Stunde bis zum Austritt des Kopfes aus dem Uterus, der fa sl
mit dem Durchtritt durch die Schamspalte zusammenfiel. Nach der Geburt des Kopfes erfolgte der
Austritt des Rumpfes in der Richtung wie bei erster Schädeilage. Die Nachgeburtsperiode verlief normal)
der Uterus zog sich gut zusammen, doch verlor die Wöchnerin in den ersten Stunden noch ziemlich viel
Blut. Das Kind, ein lebender Knabe, trug alle Merkmale der Frühreife an sich. Er war nur 161^
Gramm schwer und 42% Cm. lang. Eine starke Kopfgeschwulst bedeckte den hinteren oberen Theil
des linken Scheitelbeins. Kopfmaasse: 7,6 Cm. — 10,1 Cm. — 11,6 Cm.
Kopfumfang 30'/2 Cm.
Da es zu schwach war, um an der Brust der Mutter zu saugen, wurde es zunächst an die
Brust einer anderen gesunden Wöchnerin gelegt; später wurde ihm verdünnte Kuhmilch mit dem Löfhd
eingeflösst.
Die Mutier halte ein durchaus normales Wochenbett.
Schon vom 8ten Tage an verliess sie ohne Erlaubnis zeitweilig das Bett, ohne dass der Uterus
dabei vorfiel. Am lOten Tage war sie durch keine Vorstellungen zum längeren Bleiben zu bewegen»
sondern kehrte zu Wagen mit dem Kinde in ihre Heimalh zurück. Die bei ihrer Entlassung angestelU®
Untersuchung ergab einen gut involvirten, leicht reklinirten Uterus, eine kurze, weiche, noch voluminöse
und geschwellte Vaginalportion, ziemlcih hochstehend in der Mittellinie des Beckens, mit klaffendem
Muttermunde, der Cervicalkanal war noch vollkommen durchgängig und ca. 6—6 Cm. lang.
Der Verlauf des bebels, wenn ein^ spontane Reduction nicht eingetreten und eine rechtzeitig®
künstliche Reposition versäumt wurde, oder nicht gelang, kann ein dreifacher sein.
Es kann nämlich I. entweder ein Abortus oder eine unzeitige Geburt erfolgen.
Es treten nämlich beim gänzlichen Austritt des schwangeren Uterus durch die Schamspalte i"
Folge der mechanischen Zerrung (durch Reflex) Contractionen des Uterus ein und treiben so den Inhalt aus.

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