Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

Die Harnexcretion isl jetzt weniger gestört, als im Beginn, wo Ischurie mit häufigem Drang 
vorhanden. 
Der Stuhlgang isl unregelmässig, schwierig, indem jede Mitwirkung der Bauchpresse durch die 
Schmerzen unmöglich gemacht ist Der Schlaf und Appetit sind im Ganzen gut. 
Der Status bei der Aufnahme am 9. October 1868 war folgender: 
Der Uterus steht mit seinem Grunde ca. 3 Finger breit über dem Nabel. Bei der Untersuchung 
fanden zeitweilige Contractionen statt. Darmschlingen waren nicht vorgelagert. 
Der Uterus ist etwas nach links geneigt und massig wasserhaltig. 
Die Frucht liegt in erster Diagonale, Rücken nach rechts, Bewegung der Extremitäten ist links 
el 'vas unterhalb des Nabels fühlbar, Foelalpuls in der rechten Unterbauchgegend zu hören. 
Der hvpertrophirte untere Abschnitt des Uterus ragt mit der invertirlen Scheide gegen 7 Cm. 
lail g aus der Schamspalte hervor, mit abwärts nach hinten gerichteter Mündung. Die prolabirten Theile 
haben ein rosenrothes Aussehen; die Innenfläche der nach aussen umgeworfenen Muttermundslippen ist 
ulcerirt, die Geschwüre mit gelblichem Exsudat belegt. 
Die Vaginalportion gränzl sich durch ihren platt anliegenden Schleimhautüberzug deutlich gegen 
den oberen, von der invertirlen Scheide bedeckten Theil des Cervix ab. 
Der dickwandige Cervicalkanal ist in seiner ganzen Länge für den Finger durchgängig, Uber 
dem inneren Muttermunde fühlt man den glatt von den Eihäuten überzogenen Kopf des Kindes. 
Der Umfang der Geschwulst an ihrer Basis dicht vor der Schamspalte beträgt 22 Cm. 
Vom Bande der Schamspalte bis zur Umschlagsfalte der invertirlen Scheide 
an der vorderen Beckenwand IVa Cm. 
an der Seilenvvand 4 Cm. 
an der hinteren Wand 5 Cm. 
Länge des Cervicalkanals 11 Ve Cm. 
Länge der Vaginalportion 2 Cm. 
Demnach ist in Folge des Vorfalls vorzugsweise die supervaginale Partie des Cervix hypertrophirt 
u,1 d in die Länge gezerrt. 
Die Schwangere wurde sogleich zu Bett gebracht und eine ruhige Rückenlage angeordnet, 
Während der vorgefallene Uterus, durch ein untergeschobenes Polster unterstützt, mit in Oel getränkter 
Leinwand bedeckt ward. 
Mehrmals täglich wurde die Geschwulst mit lauwarmen Wasser bespült, für regelmässige leichte 
Leibesöfliiung durch Oleum ricini gesorgt, auf die Geschwüre des Muttermundes später etwas Zinksalbe 
äpplicirt. 
Bei diesem Verfahren wurde unter fortdauernd günstigem Allgemeinbefinden der Schwangeren 
die Geschwulst allmählich weicher und in allen Dimensionen kleiner, der Scheidenüberzug runzelte sich 
besonders an seiner Insertion am Cervix mehr und mehr, die Geschwüre heilten. 
20. October. In der Nacht begann stossweisse Wasser aus dem Muttermunde ab/.ufliessen, 
ohne dass die Schwangere Wehen empfand. Am Vormittage erschien bei der äusseren Untersuchung 
<ler Uterus zwar im Umfange kleiner, aber noch wasserhaltig, von gleichmässig rundlicher Gestalt. 
Zeitweilig wurden einige leichte Znsammenziehungen gefühlt. Durch den Cervicalkanal fühlte 
man, wie früher, den Kopf des Kindes auf dem inneren Muttermunde.
	        

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