Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1869 (Band XVI.)

Aus der Literatur führe ich folgende Beobachtungen hierüber an: 
Bluff (El. v. Siebold’s Journal X. Bd. 2. Stück, S. 298) kannte eine sehr schwächliche, 40 Jahr 
alte Frau, welche seil ihrer ersten im 31. Jahre überslandenen Niederkunft einen leicht zurückzubringenden 
Prolapsus uteri behalten hatte. 
' Sie gebar seitdem noch drei Kinder. Bei jeder Schwangerschaft trat gegen den dritten Monat 
hin der Vorfall (meist plötzlich in einer Nacht) zurück und kehrte im weiteren Verlaufe der Schwanger 
schaft und bei der Geburt nicht wieder. 
Richter (Synopsis praxis medico obstelriciae Mosquae 1810, p. 77) theilt einen Fall mit, w0 
bei einer Frau, die mit Prolapsus uteri behaftet war, dieser allmählich in der Mitte der Schwangerschaft 
sich zurückzog und erst nach dem Wochenbette wieder eintrat. 
In vielen Fällen erfolgt die Reposition nicht spontan, sondern dieselbe wird durch einen recht 
zeitig zu Rathe gezogenen Arzt bewirkt, und der prolabirte Uterus durch passende Vorrichtungen zurück- 
gehalten. 
Mauriceau (Observations sur la Grossesseö et accouchement des femmes, Tome II., Paris 1728, 
p. 56.) 
Derselbe reponirte eine schwangere Gebärmutter im fiten Monat. 
Smellie (A Collection of preter natural Cases and Obsersvationes in Midwifery. Vol. III, London 
1764, p. 489) reponirte eine schwangere Gebärmutter im 4len Monate. 
Da die Reposition in dem von mir auf der hiesigen geburtshilflichen Anstalt beobachteten Fall® 
durch sorgfältige Behandlung wenige Tage vor dem Eintritte der Geburt noch erreicht wurde, so theile 
ich denselben hier ausführlich mit, indem ich mir Vorbehalte, am Schlüsse meiner Arbeit noch auf einige 
interessante Umstände, die in dem gedachten Falle Vorkommen, etwas näher einzugehen. 
Patientin, die Ehefrau G , ist eine rüstige, kräftige Frau im Alter von 40 Jahren. Die 
im 17len Jahre eingetrelcne Menstruation ist immer sehr unregelmässig eingetreten, indem sie oft einen 
Monat überschlagen hat; nach dem ersten Wochenbett wurde dieselbe jedoch regelmässiger und stärker. 
Im Jahre 1864 verheirathet, hat sie vor l'/a Jahren zum ersten Mal geboren. 
Die Geburt, bei der früher Abfluss des Fruchtwassers erfolgte, hatte bei schwachen Wehen 
24 Stunden gedauert. 
Es wurde ein leicht scheintodles Kind geboren. 
Im Puerperium halte Patientin bei ziemlich starkem Blulabgange sich wohl gefühlt, war schon 
am 8ten Tage aufgestanden und hatte ihre häuslichen Arbeiten wieder übernommen. 
Wegen Mangels an Milch halte sie nicht gestillt. 
Nach Verlauf von 6 Wochen will sie den Vorfall zuerst bemerkt haben, jedoch sind die Angaben 
der Patientin unbestimmt, es scheint aber der Vorfall schon zeitweilig vor die äusseren Genitalien 
getreten zu sein. 
Da die Patientin im Ganzen wenig Beschwerden von dem Prolapsus uteri hatte, so kümmerte 
sie sich auch nur wenig um denselben. 
Die Beschwerden und der Vorfall nahmen aber zu, da sie wieder schwanger wurde; es trat 
ein bräunlicher, oft übelriechender Ausfluss mit vielen Schmerzen in der vor die Genitalien getretenen 
Geschwulst auf. 
Die letzte Menstruation war im März eingelreten, während die ersten Kindesbewegungen Ende 
August, und zwar tief nach unten, von der Patientin gefühlt wurden.
	        

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