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Erwähnung der unmotivirten Schüttelfröste ausführlich besprochen worden sind. Pie
Schmerzen bestanden in geringer Heftigkeit noch fort bei der Entlassung.
Besonders auffallend war mir die Erscheinung, dass 8 Kranke, bei denen un
zweifelhaft ein Typhus zu constatiren war, in der ersten Zeit nach ihrer Aufnahme
hauptsächlich über, angeblich seit Beginn des Unwohlseins bestehende, heftige Nacken-
schrnerzen klagten, die manchmal mehr als einseitige Cervico-Occipital-Neuralgie auf-
traten, gewöhnlich aber als in der gesammten Nackenrnuskulatur gelegen angegeben
wurden. Die freie Beweglichkeit des Kopfes schien dadurch nur in einzelnen Fällen
gehindert zu werden. Mit 2 Ausnahmen gehörten alle den mässig schwer verlaufen
den Typhen an. Die Dauer der Schmerzen war meistens keine lange und verlief der
Typhus nach ihrem Aufhören durchaus regelmässig. Alle genasen.
Eine allgemeine Hyperästhesie der ganzen Körperoberfläche mit besonderer
Druckempfindlichkeit der Nacken- und Brustwirbel, bestand einmal bei einem 16jäh-
rigen Knaben und erweckte anfänglich den Verdacht auf Trichinosis. Der Kranke
genas nach verhältnissmässig leichtem Verlaufe.
Die psychischen Störungen, welche im Gefolge des Typhus auftraten, möchte
ich nach Massgabe der 8 während der letzten Epidemie beobachteten, hierher gehö
rigen Fälle, eintheilen in solche, welche auf der Höhe des Fieber processes zum Aus
bruch kamen — ich sehe natürlich dabei ab von dem als Cerebral-Typhus beschrie
benen Zuständen, welche übrigens bei 27 Kranken, von denen schliesslich 13 starben,
in ihren höheren Graden hervortraten — und solche, welche erst nach eingeleiteter
Reconvalescenz bemerkt wurden. Von der ersten Art wurden 2 Kranke aufeenom-
men, deren ganzes Wesen und Gebahren auffallende Aehnlichkeit zeigte mit dem bei
acuter Manie vorkommenden Zuständen, wohl zu unterscheiden von den gewöhnlichen
Fieberdehrien. Bei der einen Kranken schwand der maniakalische Zustand nach der
Anwendung einiger kühler Bäder und trat, trotz der bleibend bedeutend erhöhten
Körpertemperatur, die sogar an den folgenden Pagen höher war als am ersten, bald
ein ruhiger Zustand wieder ein. Bei dem anderen dauerte dieser Zustand fast eine
Woche lang. Beide Kranke zeigten bei ihrer Entlassung keine Spur von gebliebener
geistiger Störung. Der 2. Reihe gehörten 6 Kranken an, deren psychisch alterirter
Zustand, welcher nach Typhen schwersten Grades auftrat, 4 mal mehr den Character
der Melancholie, 2 mal den eines heiteren Blödsinns, wenn ich so sagen darf, trug.
2 mal dauerte diese psychische Verstimmung bis zum Tode, in den übrigen Fällen
war sie nur vorübergehend vorhanden und schwand mit der zunehmenden Genesung.
Während der letzten Epidemie kamen auffallend häufig Recidive in mehr oder
weniger ausgesprochener Weise zur Beobachtung, nemlich bei 20 Kranken, darunter
bei Dreien 2 mal. Diese auffallend grosse Zahl könnte den Verdacht vorgekommener
Verwechselungen aufkommen lassen, darum werde ich kurz die Punkte anführen,
deren Vorhandensein ich zur Constatirung eines Recidivs für unerlässlich halte. Ein

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