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Morgenremissionen schon verhältnissmässig früh ein, so ist durchweg eine kurze
Dauer des Fiebers zu erwarten. Jedoch sind auch solche Fälle vor dem Eintritt
schwerer Zwischenereignisse nicht gesichert, wie wir es leider einmal erlebten. Ein
junger Mann zog sich, nachdem er am 11. Tage seiner Krankheit vollkommen abge
fiebert war, durch einen Diätfehler ein schweres Recidiv zu, dem er nach kurzer Zeit
z um Opfer fiel.
Nicht nur ein sehr hochgradiges Fieber, sondern auch ein rnässig hohes Fieber
scheint, wenn es sich z. B. wochenlang hinschleppt, das Auftreten schwerer Compli
cationen zu begünstigen, besonders solcher von Seiten der Respirationsorgane.
Das Auftreten von Complicationen des Typhusprocesses fällt bald in die Zeit,
wo die Krankheit noch mit einer mehr oder weniger beträchtlichen Temperatur
steigerung einher geht, bald machen sie sich erst dann geltend, wenn schon ein er
heblicherer Temperaturabfall eingetreten. Im ersteren Falle entziehen sich die Com
plicationen wegen des, bei dem schweren Allgemeinleiden nur undeutlichen Hervor-
tretens der durch sie bedingten Symptome, oft für einige Zeit der Beobachtung, im
letzteren Falle jedoch machen sie fast ausnahmslos durch e.ne erneute und meist
plötzliche Temperatursteigerung sich geltend und gie.bt dann neben dem physikali
schen Nachweise der Complication das Fehlen, der für ein Recidiv charactenstischen
Momente den Beweis, dass durch sie die Temperatursteigerung bedingt gewesen gL
Freilich lässt sich bisweilen durch die physicalische Untersuchung das Auftreten neuer
Complicationen nachweisen. ohne dass eine gleichzeitige Temperatursteigerung beob
achtet worden, aber dieses Vorkommniss beobachtete ich nur bei solchen Kranken,
deren Kräfte durch einen voraufgehenden äusserst schweren, Krankheitsverlauf aufs
äusserste erschöpft waren. - Endlich will ich erwähnen, dass solche Complicationen,
welche wegen ihres unmittelbar schwächenden Einflusses einen grösseren oder gerin
geren Grad von Collaps des Kranken herbeizuführen im Stande, sind z. B. Darmblu
tungen und Hämoptoen, gewöhnlich statt einer Steigerung eine Herabsetzung der Kör
pertemperatur, selbst bis unter die normale Grenze hinab, im Gefolge zu haben pflegen.
Alle Recidive ohne Ausnahme, von denen die auffallend grosse Anzahl von
23 (siehe unten) zur Beobachtung kam, gaben sich zuerst durch eine erneute mehr
oder weniger plötzliche Temperatursteigerung zu erkennen, reap, machten dadurch auf
sich aufmerksam. Im Uebrigen walten für Recidive dieselben .Temperaturverhältnisse
ob, wie für den primären Typhus; bald scheint die neue Erkrankung nicht die Inten
sität der voraufgegangenen zu erreichen, bald, was die Höhe der .Temperatur des
Körpers anlangt, dieselbe zu übersteigen.
Im Ganzen ist die Abnahme der Temperatur .das sicherste Zeichen vom Nach
lassen des Fiebers somit der angebahnten Genesung, das Aufhören der febrilen Tem
peratursteigerung das des Erlöschens des Krankheitsprocesses selbst, aber demnach
ist mit dem Eintritt der Normaltemperatur noch nicht alle Gefahr für deni.Kranken
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