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sufficienten Athmung. Die Autopsie wies ausser dem gewöhnlichen Befunde eines
Beotyphus, starke alte pleuritisehe Verwachsungen der emphysematosen Lungen und
im unteren Theile des linken Pleurasackes eine frische exsudative Pleuritis nach. —
Eine Reihe von Fällen, bei denen im Verlaufe des Typhus hier der Ausbruch
von croupösen resp. hypostatischen Pneumonien, oder von Erkrankungen der Pleura
constatirt werden konnte, werde ich später bei den symptomatischen Complicationen
besprechen.
Hier dagegen dürfte es am Platze sein, einen Fall einzuschalten, bei dem ein
schwerer Typhus ein an hochgradigem einseitigen Lungenemphysem leidendes 28jäh-
Eges Mädchen befiel. Der Fall war an sich so interessant, dass ein näheres Eingehen
auf denselben gerechtfertigt sein dürfte. Das Mädchen wurde in höchst elendem
Zustande aufgenommen, das ihre Aufnahme erwirkende ärztliche Attest enthielt irgend
eine im Uebrigen gleichgültige Diagnose, und von der Kranken selbst Avar nur zu
erfahren, dass sie schon seit Jahren an Husten gelitten habe, aber jetzt vor etwa
8 Tagen unter heftigen Brustschmerzen, verbunden mit trockenem Husten und allge
meinen Fiebersymptomen erkrankt sei. Die physicalische Untersuchung ergab folgendes
Resultat: Hochgradige scoliotische Verkrümmung des Brusttheils der Wirbelsäule mit
der Convexität nach rechts, entsprechende Verkleinerung der linken Brusthälfte; starke
klingende Rasselgeräusche mit Schnurren und Pfeifen besonders in den vorderen
Lungenpartien in beiden Brusthälften; Dämpfung und ausgesprochenes Bronchial-
athmen hinten etwa irn Bereiche des linken unteren Lungenlappens, freilich ohne
Knisterrasseln. Die ziemlich massenhaften Sputa waren schaumig und blutig tingirt,
^enn auch nicht gerade rostfarben zu nennen. Die Körpertemperatur betrug reichlich
390 C. Die gestellte Diagnose lautete auf croupöse Pneumonie des linken unteren
Lappens mit verbreitetem starkem Bronchialcatarrh. Patientin collabirte sehr rasch,
die Temperatur stieg nicht über 39, 4° C. und schon am folgenden läge trat der
Tod ein. — Die Section lieferte folgenden den Erwartungen durchaus nicht ent
sprechenden Befund: Vollständige, wahrscheinlich angeborene, Ateleetase der ganzen
Buken Lunge, welche als ein fester flachlänglicher (ca. 2 1 / 2 " lang und entsprechend
Breit) Körper dicht der linken Seite der Wirbelsäule und der hinteren Thoraxwand
anlag. In dieselbe mündete ein fast normal weiter, rigider und weit offenstehender
Lronchus. Der linke Pleurasack war mit Ausnahme der atelectatischen Lunge voll
kommen leer und die linke Fläche der Mediastinum lag mit ihrem Pleuraüberzug un
mittelbar der linken Pleura costalis an, ohne die geringsten Verwachsungen zu zeigen.
Ler schon an sich durch das Einsinken der linken Thoraxhälfte verkleinerte Kaum
Bor linken Pleurahöhle wurde ausgefüllt theils von dem, mit dem Mediastinum nach
Bnks verschobenen, sonst aber gesunden Herzen, theils und zwar vorn von der colossal
emphysematos ausgedehnten rechten Lunge. (Bei der auf die gewöhnliche Weise vor
genommenen Eröffnung der Brusthöhle war nur die rechte Lunge sichtbar.) — Ausser-
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