Die Verhältnisse des Altonaer Krankenhauses erlaubten während der Dauer
der Typhusepidemie, sowohl mit Rücksicht auf die oft so schon übermässig in An
spruch genommene Arbeitskraft des Wartepersonals, als besonders auf die leider von
Jahr zu Jahr sich mehr geltend machende Beschränktheit des bei dem vermehrten
Kranken-Andrange nicht genügenden Raumes, nicht die Isolirung der Typhuskranken
von den übrigen Kranken. Vielmehr mussten jene nach Massgabe des freigewordenen
Platzes in den Sälen der Medicinischen Station vertheilt werden. Somit lagen wäh
rend der verschiedenen Phasen der Epidemie durchschnittlich 20 bis 60 Typhuskranke
vertheilt zwischen einem Krankenbestande von 60 bis 120. Es waren also unfrei
williger Weise die günstigsten Bedingungen geschaffen für eine eventuelle Uebertra-
gung des Typhusgiftes auf die anderen Kranken, sowie auf die Gesunden, welche
direct oder indirect mit der Krankenpflege betraut waren, oder wenigstens, wie die
meisten chirurgischen Kranken, in demselben Gebäude mit den Typhuskranken wohnten-
Letztere betrugen selten weniger, oft mehr, als 80, und das Hauspersonal umfasste
mit Einschluss der angestellten Hülfswärter durchschnittlich 40 bis 50 Personen.
In Anbetracht dieser Verhältnisse sprachen die während der jüngsten Epidemie
gemachten Erfahrungen nicht gerade sehr für eine leichte Uebertragbarkeit des Typhus
giftes von dem Einen auf den Andern. Denn während der ganzen Dauer der Epidemie
erkrankten hier im Hause nur 5 Personen am Typhus, von denen 2 dem weiblichen
Wartepersonale, 3 dem übrigen Krankenbestande der medicinischen Abtheilung an
gehörten. Während man letztere Fälle unbedingt als Hausinfectionen in Anspruch
nehmen muss, da der Typhus erst nach mehnvöchentlichem Aufenthalte zum Ausbruch
kam, lässt sich dieses von den beiden ersteren nicht so stricte behaupten, da einmal
bei beiden die typhöse Natur ihrer Krankheit nicht über allen Zweifel erhaben war,
dann die Möglichkeit der ausserhalb des Hauses erfolgten Infection auf einem ihrer
Ausgänge, bei der grossen Verbreitung des Typhus in der ganzen Stadt, nicht aus-
zuschliessen ist. Uebrigens genasen beide, welche im August erkrankt waren, wie
erwähnt, nach sehr kurzer Zeit. Die übrigen 3 Hausinfectionen erfolgten im August,
December und Januar, den 3 Monaten, in denen die Epidemie am heftigsten auftrat}
alle 3 nahmen einen mässig schweren Verlauf und führten zur Genesung. Die erste
traf einen 20jährigen Mann, welcher nach überstandenem acutem Gelenkrheumatismus
und einem 60tägigen Aufenthalte, am Typhus erkrankte. Nach weiteren 52 Tagen
konnte derselbe entlassen werden. Die zweite betraf ein Mädchen von 24 Jahren,
welches gleichfalls nach überstandenem acuten Gelenkrheumatismus mit Endocarditis,
die einen bleibenden Klappenfehler zurückliess, am 35. Tage seines Hierseins am
Typhus erkrankte und nach weiteren 42 Tagen genesen entlassen wurde. Die dritte
Hausinfection erfolgte bei einem Kranken von 33 Jahren, welcher etwa 50 Tage vorher
wegen einer der acuten Manie ähnlichen Geistesstörung aufgenommen und wegen einer
hartnäckigen, vielleicht durch ein verschlepptes Wechselfieber bedingten Anämie weiter

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