'Man siehl aus der vorstehenden Literatur zu der Frage über die Entstehung der elastischen
Fasern, dass bis jetzt keine Einigung der verschiedenen Meinungen erfolgt ist. Es war dieses für mich
«•ne Veranlassung, eine weitere Behandlung dieser Frage vorzunehmen, und die Resultate meiner unter
Anleitung des Herrn Professors Dr. Kupfter, dem ich hiemit öffentlich meinen Dank abstalle, vorgenom
menen Untersuchungen sind in Folgendem niedergelegt
Als Gegenstand meiner Untersuchungen habe ich vorzugsweise das Lig. nuchae von Rindsem-
bryonen genommen. Das Lig. nuchae zeigt sich im entwickelten Zustand als ein Gewebe, welches aus
elastischen Fasern mit wenigem fibrillären Bindegewebe besteht. Die elastischen Fasern des Lig. nuchae
sind nie netzförmig geordnet, sondern liegen neben einander, parallel der Längsachse des Bandes. Es
Sind dunkelrandige, stark lichtbrechende Elemente, von cylindrischer oder bandartiger Form; die Ränder
derselben sind stets gradiinigt. Die elastischen Fasern sind durchaus solide Gebilde und es gelingt nicht,
dieselben mit Karmin zu tiugiren. Liegen sie in Massen beisammen, so nehmen sie eine gelbe Farbe an.
Has wenige fibrilläre Bindegewebe des Lig. nuchae umgiebt nicht allein die einzelnen Fasern, sondern,
worauf bis jetzt kaum aufmerksam gemacht worden ist, es scheidet diese in Bündel von 4-6 einzelnen
Fasern, mdem das Bindegewebe diese als gemeinsame, Hülle umzieht (Fig. 1.) Das Lig. nuchae des
Herdes bietet eme reichlichere Menge fibrillären Bindegewebes dar, als dasjenige des Schafes und des
Kindes, ln chemischer Hinsicht zeigt das Lig. nuchae bestimmte Erscheinungen: in Wasser, wässerigem
Ammoniak und verdünnter Essigsäure quillt es auf, wird aber weiter nicht dadurch angegriffen. Unlös
lich ist das Gewebe in Alkohol und Aether, in concenlrirler Essigsäure, in Salpetersäure färbt .es s.ch
gelb, in concenlrirler Kalilösung bleibt es unverändert, bei längerem Erwärmen damit wird es ... eine
gallertartige Masse verwandelt; beim Kochen in concenlrirler Kalilösung löst es sich rasch auf. Durch
Kochen in Wasser wird das Gewebe schliesslich gleichfalls in eine gallertartige Masse verwandelt.
Im embryonalen Zustande zeigt'das Lig. nuchae wesentlich andere Elemente, als im entwickel
te» Zustande. Wenn diese Elemente auch zum Tipeil in den verschiedenen Entwicldungssladien andere
Formen annehmen, so zeigt das Gewebe doch in allen Stadien Zellen mit Ausläufern und Zellen mit binde
gewebigen Anhängen, elastische Fasern und eine Intercellularsubstanz. - Die Methoden der Behandlung
des embryonalen Lig. nuchae zum Zwecke der Untersuchung desselben, sind Folgende: Zur Aufbewahrung
des frischen Gewebes, ohne dass es sich verändert, benutzte ich das Jodserum oder eine sehr verdünnte
Lösung von- chromsaurem Kali. Zur Erhärtung desselben bedient man siel, des Spiritus, besser aber der
Chromsäure, des d.romsaure» Kalis von verschiedener Concentration (- 10%) und besonders der Sal
petersäure (20%). Durch die Einwirkung dieser Säuren wird das Gewebe zugleich gelb getärbl. B<
bandelt man das embryonale Gewebe mit einer Kalilösung von 5-10%, so erblasst dasselbe fast bis
zum Verschwinden; die elastischen Fasern, welche mir im geringen Grade erblassen, treten dadurch
deutlicher hervor. Indessen zeigen die feinen elastischen Fasern des embryonalen Nackeiibandes nicht
die Resislenzfähigkeit gegen Kali, wie die entwickelten Fasern, uach einigen Stunden verschwinden sie
dem Auge Einen Rindsembryo von 1 Fuss Länge, dessen Band die elastischen Fasern hübsch entwickelt
zeigte, batte ich im kalten Baume zwei Tage lang sielten lassen. Von Verwesung licss sich keine Spur
wahrnehmen, aber die elastischen Fasern hatten sich doch so verändert, dass sie sich hei Kalizusatz nun
eben so bald lösten, wie das übrige Gewebe des Bandes. Bei Zusatz von Essigsäure erblasst .las Ge
webe nach und nach in dem Maasse, dass es noch kaum sichtbar bleibt, nur die elastischen Faser»

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