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Hieran schliesst sich eine Methode (nach Roser), welche darin besteht, dass man nach den ver
schiedensten Richtungen hin baumwollene mit liqu ferri sesquiehlorati getränkte Fäden durch die Ge
schwulst zieht. Zunächst tritt hiernach eine Blutgerinnung um die Fäden ein, alsbald etablirt sich aber
durch das Liegenlassen derselben eine Entzündung, welche durch Eiterung den Fremkörper zu entfernen
sucht. Entfernt man jetzt die Fäden, so tritt Verheilung und Verödung des Theils ein, durch den die
Fäden gezogen waren. Dieses sog. filum slypticum ist besonders bei flächenhaften oberflächlichen Angio
men zu empfehlen. Zwar ist eine wiederholte Anwendung häufig nöthig, doch ist das Verfahren so
wenig eingreifend und die Resultate so günstig, weil die Haut fast in toto erhalten bleibt, dass es kaum
als ein Vorwurf erscheint. Die hypodermatische Injection von Eisenchlorid, welche zuweilen selbst
den Tod herbeigeführt bat, dürfte hierdurch für immer aus der Praxis verdrängt sein
Die Anwendung der Kuhpockenimpfung zum Zwecke der Heilung, welche besonders gerühmt
wurde, weil die Vaccination zugleich damit vollzogen werde, dürfte doch kaum zur Nachahmung auffor-,
dem. Bei tiefer sitzenden Angiomen ist sie nicht anwendbar, weil sie nur auf oberflächliche Parlhieen
wirkt; ferner bei ziemlich ausgedehnten oberflächlichen Angiomen ist sie zu verwerfen wegen der ent
stellenden Narbe und der heftigen Reaction, während bei kleineren mildere Methoden, deren Wirkungs
weise man mehr in der Hand hat, den Vorzug verdienen, so dass sie füglich der Vergessenheit anheim
fallen dürfte.
Unter den Aetzmitteln, welche ebenfalls nur bei ganz oberflächlichen Angiomen, welche ihren
Sitz an einer Körperstelle haben, wo die Narbe nicht entstellt, angewandt werden, verdient wohl die
rauchende Salpetersäure den Vorzug, weil sie, vorsichtig aufgetragen, nicht zerfliesst und bei guter
Wirkung wenig Reaction macht. Alle Beachtung verdient ein von Stromeyer angewandtes Verfahren.
Nachdem er ein in siedendes Wasser erhitztes, glattes Eisen, genau der Grösse der Geschwulst entspre
chend auf die Epidermis applicirt und sie sorgfältig mit der Pincette entfernt hat, zerstört er die Ge
schwulst durch eine Chlorzinpaste, oder seit des Gebrauchs des Chloroforms durch Kali causticum. In
wenig Augenblicken zerstört letzteres die Geschwulst ohne Blutung, der Rest des Kali wird durch Blei
essig neutralisirt und die Wunde einfach mit etwas Gharpie bedeckt.
Das Glüheiseu zerstört die Theile, auf die es applicirt wird, sicher und verhindert zugleich die
Blutung; allein bei etwas ausgedehnten Angiomen ist, da die Heilung nur durch Eiterung statlfindet, die
folgende Narbencontraktion wohl zu berücksichtigen; in der Nähe edler Organe ist es nicht anwendbar,
weil die Wirkung nicht immer auf die unmittelbare Nähe der Angriflsstelle zu beschränken ist. Für
kleine Geschwülste ist der Eingrift zu heftig und mildere Mittel eher am Platz.
Die Galvanokaustik theilt die wesentlichen Vorzüge mit dem Glüheiseu, lässt sich aber,
weil man die Hitzegrade willkürlich vermehren und vermindern kann, besser den Verhältnissen anpassen,
und erlaubt überdies eine Schonung der bedeckenden Haut, so dass sie a priori dem Glüheisen
vorgezogen werden darf. Man bedient sich dabei gewöhnlich mässig feiner Platindrähte, welche mau
in die Geschwulst einsenkt und 15—30 Sekunden glühend erhält. Ihre Zahl kann nach dem Effekt,
den man erreichen will, 1—3 und mehr sein. Sie bringen zunächst einen Brandschorf und damit eine
Gerinnung des Blutes in geringem Umkreise hervor; die Blutung wird aber nicht ganz gehindert, wenn
sie auch meistens geringfügig ist Eine Entzündung, durch welche das Angiom an Schwellung zunimmt
und empfindlich wird, und sich eine gelinde Temperaturerhöhung zeigt, ist die nothwendige Folge.

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