Die den verschiedenen Operationsniethoden zu Grunde liegenden Principien, welche indess meist
vereint zur Geltung kommen, lassen sich zurUckflihren 1) auf Behinderung des Kreislaufs in der Ge
schwulst, 2) auf Erregung von Entzündung, 3) auf gänzliche Zerstörung.
Die einfachste, aber auch die unsicherste Methode ist die direkte Compression des Angioms,
welche selbstverständlich nur auf solche Orte beschränkt ist, wo die Haut unmittelbar über Knochen hin-
gespannt ist. Man bedient sich dazu des Heftpflasters, des Collodiums u. s. w. mit untergelegten Com-
pi'essen, die auch wohl noch mit adslringirenden Flüssigkeiten befeuchtet werden. Ausser der grossen
Unsicherheit empfiehlt sie sich schon deshalb nicht, weil sie sehr lange fortgesetzt und dadurch überaus
lästig werden muss. Auch die Unterbindung der zufUhrenden Gefässe bewirkt für sich allein, wegen
des sich rasch herstellenden Collateralkreislaufs, keine Heilung, doch ist sie oft sehr werthvoll als vor
bereitende Operation bei grosseu Geschwülsten. Man kann genöthigl sein, den Hauptslamm der zufUh-
renden Arterien zu unterbinden, oder die unmittelbar in die Geschwulst eintretenden Gefässe, wenn sie
zu erkennen sind Im letzteren Falle kann auch bloss für die Dauer der Operation die Blutzufuhr abgeschnltten
werden, indem man die grösseren Gefässe mit einer Nadel umgeht uud über einer Heftpflasterrolle den
Faden zuschnürt, oder indem man sämmtliche von der Peripherie herkommende Gefässe durch einen
Bleiring, den man fest andrückt, comprimirt/ Die vollständige Abschirmung der Blutzufuhr ist nur bei
gestielten Angiomen möglich. Ist der Stiel dünn, so kann er mit einem einzelnen Faden umschlungen
und die Geschwulst selbst abgetragen werden; ist er dagegen breit, so muss man ihn mittelst
mehrer Fäden unterbinden, und die Abstossung der Geschwulst kann der Natur überlassen werden.
Eine Modifikation kann bei den mit breiter Basis aufsitzenden Angiomen slatttlnden, indem man die Basis
^ subcutan mit einem Metalldraht umgeht, und durch Zuschnüren allmählich oder in einer Sitzung den
Kreislauf in der Geschwult zum Stillstand bringt. Die Anwendung der Ligaturen ist nur gestattet, wenn
d er Tumor sich nicht in die Tiefe erstreckt, wenn also wenigstens der grösste Theil dadurch entfernt
wird. Von den englischen Chirurgen werden indessen nicht nur gestielte oder doch stark hervorragende
Tumoren mit der Ligatur behandelt, sondern auch flächenhafte, selbst wenn sie ziemlich ausgedehnt sind.
Sie schonen die gesunde Haut, indem sie dieselbe zwischen den Schnüren einscheiden, bemühen sich
dabei aber alles Erkrankte mit der Ligatur zu umfassen. Bei kleinen Malern genügt es, eine doppelte
Ligatur quer unter die Basis hindurchzuführen, und die beiden Hälften der Geschwulst gesondert zu
unterbinden. Bei grösseren runden werden durch zwei sich kreuzende Nadeln vier Fäden durchgeführt
und die nebeneinanderliegenden Enden derselben zusammcngeschnürt (Liston’s vierfache Schlinge). Bei
grösseren länglichen Tumoren müssen mehre kleine Segmente abgeschnürt werden Dies wird durch
die „zusammenhängende Nath“ erreicht Man fädelt in eine Nadel einen doppelten Faden ein, macht
dessen eine Hälfte schwarz, die andere lässt man weiss. Hiemit geht man an dem einen Ende der Ge
schwulst unter ihrer Basis durch, geht dann von der Seite der Ausstichsöflimng wieder, etwas näher
der Mille, nach der Seile des ersten Einstichs zurück, und so fort, bis die Nadel am entgegengesetzten
Ende des Angioms wieder hervorkommt, so dass also der doppelte Faden unter der Geschwulst eine
eine Schlangenlinie beschreibt. Nun werden auf der einen Seite alle schwarzen, auf der andern alle
weissen Fäden durchschnitten und die gleichfarbigen zusammengeknotet, und so kleinere Abschnitte für
s 'ch unterbunden
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