Ihre Zahl kann an einem Individuum gross sein, doch ist dies immerhin seilen im Vergleich
zu den Fällen, wo nur eine Geschwulst vorhanden ist und auch vereinzelt bleibt.
Als Matrix derselben ist in den meisten Fällen das Gewebe der Cutis und deren Gefässe zu
betrachten. Hier können sie weite Ausdehnungen erreichen, ohne auf darunterliegende Gewebe uberzu
greifen. Andremale findet die Ausdehnung sowohl in die Tiefe wie in die Fläche hin statt, und mehre
Gewebe werden nah und nach befallen. Nicht so häufig findet sich die erste Anlage der Geschwulst im
subculanen Zellgewebe; dieselbe ist anfangs gewöhnlich klein und nie so flächenhafl wie in der Haut,
sondern sie wölbt die Haut häufig etwas empor, markirl sich als Hervorragung unter der Oberfläche.
Bei ihrem Wachsthum dringt sie gewöhnlich gegen die Cutis vor, diese wird mit ergriffen, so dass oft
nicht mehr das Gewebe zu erkennen ist, welches den Ausgangspunkt bildete.
Sehr selten haben sie primär ihren Sitz in den Muskeln und Knochen. Weun in der Literatur
häufig solche erwähnt sind, so ist es doch meistens zweifelhaft, ob die beschriebenen Geschwülste wirk
lich Augiome gewesen sind, weil der mikroskopische Nachweis fehlte und die günstigen Erfolge nach
Unterbindung der zufiihrenden Arterien wohl auf andere .Gefässerkrankungen schliessen lassen
Die Augiome sind in ihrer ganzen Entwicklungsreihe rein lokale Hebel, die nur in sofern von
Einfluss auf den Organismus sind» als sie sich an die Stelle der schwindenden Gewebe setzen und nur
an besonderen Lokalitäten durch ihre Grösse gewisse Störungen hervorrufen. So lange sie ganz klein
sind und mehr als flächenhafte Degenerationen denn als Geschwülste erscheinen, mögen sie wegen der
Enstellung unangenehm sein, sonst haben sie keine Nachtheile. Entwickeln sie sich aber weiter, treten
sie als wirkliche Geschwülste hervor, dann können sie einen sehr verderblichen, lebensgefährlichen Ein
fluss auf das Individuum ausüben durch häufige Blutungen, welche sowohl spontan, bei sehr verdünnter
Haut, auflreten, als auch in Folge oft geringfügiger Verletzungen. Sie bedrohen eben nicht so sehr die
Gesundheit und das Leben durch die Menge Blut, welche auf einmal dem Organismus verloren geht, als
vielmehr durch die so häufige Wiederholung, welche eine bedeutende Oligämie und hochgradigen Ma
rasmus herbeifuhren, die mit völliger Erschöpfung und Tod enden können. Ist die Blutung aber auch
gestillt, so bleibt gewöhnlich ein vertieftes, oder mit schwammigen, schlechten Granulationen bedecktes
Geschwür zurück, welches keine Neigung zur Heilung zeigt, durch stetigen Zerfall der Granulationen
sich sogar noch vergrössert und übelriechenden, jauchigen Eiter absondert, wodurch neue Gefahren dem
Individuum drohen, die, vernahlässigt, den deletären Ausgang sehr beschleunigen können.
Therapie.
Es ist von einigen Chirurgen geralhen worden, gegen die einfachen Augiome, so lange sie .
noch klein seien und kein rascheres Wachsthum zeigten, nichts zu unternehmen, weil die Erfahrung
lehre, dass sie zuweilen spontan verschwänden und eine Behandlung noch früh genug sei, wenn eine
raschere Vergrösserung bemerkt werde. Gewiss tritt in seltenen Fällen ein Schwund ein, und wird auch
wohl noch Hülfe geleistet werden können, wenn die Geschwulst wächst; und doch möchte der Grundsatz
besser sein, jedes Angiom in seinen ersten Anfängen zu zerstören. Je kleiner das Angiom, desto leich
ter der Eingriff, desto besser also der Erfolg und um so geringer wird die Narbe sein, welche zurück
bleibt.

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