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Die Vorgänge, welche der Angiombildung zu Grunde liegen, sind ihr nicht eigentümlich, sie
linden sich wieder hei jeder Art der Gefässhilduug, wenn auch niclil in der Mannigfaltigkeit wie hier.
Am einfachsten gestaltet es sich in folgender Weise.
Der betreffende Gefässahschnilt vergrössert sich nach allen Dimensionen Die anfangs ziemlich
gradlinige Richtung wird geschlängelt, bald schlägt das Gefäss sich um, ändert seine Richtungsebene,
läuft wieder zurück u. s. w. Dabei ist die Weite des Gefässes gleichmässig vergrössert. die Wandung
indess ebenfalls verdickt, zuweilen im Uebermaass im Vergleich mit dem Lumen. Diese Volumszunahme
der Wandung neben einer Vergrösserung des Lumens ist zurückzuführen auf eine Zellervermehrung
innerhalb der Gefässwand selbst; uud wenn man auch dem Blutdruck in so weil Rechnung tragen darf,
dass man die Erweiterung des Gefässes, dessen Wandung in Folge der Bildung eines noch nicht völlig
so festen und noch dem embryonalen Zustande sich nähernden Gewebes weniger Widerstand zu leisten
vermag, aus einem Misverhältniss zwischen Blutdruck und Elaslicilät resp. Coutractililäl des Gefässes
herleitet, so darf man doch nicht den ganzen Prozess darauf zurückführen, weil dann die Gefässwand
verdünnt werden müsste.
In anderen Fällen ist das Lumen ungleichmässig vergrössert, an den erweiterten Stellen die
Wand verdünnt, während an anderen Parthieen desselben Gefässes die Dickenzunahme der Wand sehr
auffallend ist im Vergleich zur Weile. Zuweilen zeigen sich ganz circumscripte Ausbuchtungen an dem
sonst gleichmässig hyypei trophirten Gefäss, bald nach allen Seiten bin in gleichem Maasse. wodurch der
Abschnitt spindelförmig erscheint, bald beschränken sich die lokalen Erweiterungen auf einen mehr
weniger grossen Theil des Umfanges und erscheinen so als Buckel, als divertikalartige Ausbuchtungen.
Bald kommen diese Ausbuchtungen vereinzelt und in ganz unregelmässigen Zwischenräumen vor, bald
wiederholen sie sich eine Strecke weit in fast gleichen Intervallen, uud stellen so die sogenannte Bosen
kranzform dar. Diese lokalen Erweiterungen dürften z. Th. zurückzuführen sein auf verschiedene Wi
derstandsfähigkeit verschiedener Gefässabschnilte, welche nicht in gleichem Maasse erkrankt sind, zu
sammen mit dem verschiedenen Consistenzgrade der umliegenden Gewebe, hauptsächlich tragen aber die
vielen und starken Windungen die Schuld. Das in einem starken Bogen verlaufende Gefäss wird an
der Convexitäl des Bogens die ganze Gewalt des ßlulstroms auszuhalten haben, weil der Strom grade
dagegen gerichtet wird, er hier gleichsam gebrochen wird Es wird also an den Umbiegungs-
slellen am leichtesten eine Ausbuchtung zu Stande kommen, und in der Thal ist es auch so, desto mehr
und desto stärkere Windungen das Gefäss macht, um so mehr Ausbuchtungen finden sich. Ein anderer
für die Angiombildung speciell sehr wichtiger Vorgang ist die sog. Sprossenbildung. Den Anfang bil
det eine Wucherung von Kernen au der Wand des Gefässes, die eine geringe Menge Protoplasma zwi
schen sich lassen. Sie treiben sieb vor zu kolbigen Anhängseln, und indem sie sich mit ihren Spitzen
an die Wand eines benachbarten oder desselben Gefässes anlegen, oder indem zwei Sprossen sich mit
ihren Spitzen berühren, verschmelzen und nachträglich hohl werden, stellen sie ganz neue Gefässe ein
fachster Struktur dar. Häufig treiben sie schon wieder seitliche Sprossen, bevor sie noch eine Höhlung
erkennen lassen, oder es bildet sich eine in ihnen rückläufige Schlinge durch Slehenbleibcn oder Neu
bildung einer Scheidewand. Zuweilen tritt auch von einem hervorwuchernden Kerukonus ein blasser,
keine morphologische Elemente enthaltender Streifen an die nächste Gefässwand hinan, in dessen Rich
tung die Aiibildung fortschreitet. Als Ausgangspunkt wird von manchen Autoren (u. a. C. O. Weber)

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