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In der deutschen Klinik Bd. I. ist er von Herrn Prof. Esmarch beschrieben worden. Dienst
mädchen Sophie F. aus Altona, 23 Jahre alt, fiel vor 6 Jahren mit der Innenfläche des rechten Ober
schenkels gegen den Rand eines Wassereimers. Anschwellung und heftige Schmerzen erfolgten; letztere
verloren sich, doch blieb eine harte, wallnussgrosse Geschwulst zurück, welche allmählich an Grösse
zunahm. Lauge Zeit wurde Pat. im Altonaer und Hamburger Krankenhause mit innerlichen und äusserlicheii
Mitteln behandelt,starke Antiphlogistica angewendet ohne Erfolg. Die Geschwulst hinderte schliesslich den Ge
brauch der Extremität und verursachte intermittirende heftige Schmerzen, besonders bei Anstrengung.
Die, wegen der knochenharten Consistenz und höckrigen Oberfläche von Prof. Stromeyer diagnosticirte
Exostose entsprang mannsfaustgross vom Trochanter minor, der linea intertrocbanterica anterior und der
unter ihr gelegenen Partie des Oberschenkels mit breiter Basis; sie war nach oben und innen gerichtet,
die Spitze lag dicht unter der Inguinalfalte, Cruralnerv und Gefässe verliefen Uber sie. Die häufigen
iritermittirenden Schmerzen schienen durch Zerrung des Nerv, cruralis zu entstehen und waren zuerst
excentrisch, am Fuss und Knie beginnend, wurden schliesslich so heftig, dass Pal. nicht schlafen konnte.
Man entdeckte 5 Wochen nach Aufnahme der Pat. ins hiesige Hospital noch 2 andere Exostosen, eine
kleinere am Condylus internus femoris oberhalb des Kniegelenks, eine wallnussgrosse einen Zoll höher.
Am 21. I 1850 wurde die schwierige Operation unternommen. Zunächst ward ein 5 Zoll langer
Hautschnitt, von der Inguinalfalte beginnend, an der Aussenseite der Cruralarterie geführt. Man kam
alsdann auf den Cruralnerven, welcher in vielen glänzenden Fasern über die Geschwulst unter der
Fascie verlief. Lateralwärts von demselben wurde Fascie und Zellgewebe getrennt und durch stumpfe
Haken die ganze Partie mit Gefässen und Nerven nach innen gezogen, worauf die Spitze der Geschwulst
in der Wunde frei erschien; der tumor war in eine Bindegew'ebskapsel locker eingehüllt und konnte
so allmählich freigelöst werden. Prof. Stromeyer machte nun 2 nach unten convergirende Sägeschuitte
mit der Stichsäge und sprengte den gebildeten Keil mit dem Meissei aus; die zurückgebliebenen Partien
wurden mittelst Knochenscheere, Meissei und starkem Scalpell abgetragen und die Wunde dann mit
Charpie ausgefüllt.
Die entfernte Geschwulst war eine exquisite knorpelige Exostose von der Grösse eines
Schwaneneies. Nach der Operation stellten sich heftige Schmerzen in der Wunde ein; eine auf die
selbe gelegte Eisblase wurde kaum empfunden; b Gran Morphium erzielte nur wenig Schlaf. Am
22. I. heftiges Fieber. In der Wunde und Umgebung aufs neue sehr starke brennende und zuckende
Schmerzen, ausstrahlend bis zum Knie: Schmerzhafte Zuckungen des M. iliacus u. psoas. 12 Blutegel
in der Umgehung der Wunde verringerten die Schmerzen. 23. I. Wieder heftige Schmerzen und
Zuckungen. Abermals 12 Blutegel, innerlich Nitrum. Abends Morphium gran 24. I. Schüttelfrost
nach dem Erwachen. Pal. etwas somnolent. Nachmittags wieder heftige Schmerzen und Zuckungen,
so dass zum 3ten Mal 12 Blutegel in-der Inguinalfalle applicirt wurden. Noch immer Eis. 25 1. (Jiarpic
aus der Wunde entfernt; schon Granulationen in derselben. Allgemeinbefinden bedeutend besser. Abends
so heftige zuckende Schmerzen, dass 6 Blutegel und Morphium gran b verabreicht wurden. 2G. I.
Morgens von Neuem Schmerzen, anstrahlend an der Innenseite des Unterschenkels vom Knöchel bis zum
Knie. Statt des Eises nun Cataplasmen auf die Wunde. Eiterung darnach stark Am 28. I. einige
losgelöste Knochenblättchen entfernt. Die Neuritis bestand in den nächsten Tagen unverändert. Ange
wandt wurde Opium und Calomel; Blutegel nicht mehr. Anfangs Februar begannen die Anfälle an

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